Druckschrift 
2 (1827)
Entstehung
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194
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194 Von der Einsetzung des Osterlamms :c.

ist, reine Lehre von Christo haben, wie es vor Gott gilt. EinLammlein, das vor den Leuten keinen Fehl hat, darnach fragetGott nicht; sondern darum ist es zu thun, daß wir Christumgantz rein erkennen, als das unschuldige, unbefleckte Lammlein,das da keine Sünde gethan hat, wie St. Petrus in seiner erstenEpistel 1, 19. und auch die zu den Hebräern davon redet, 7, 26.,daß wir einen solchen Bischof haben, der da unschuldig und heiligist. Denn sonst ist kein Mensch auf Erden, der diesen Ruhmund Titel führen könnte, daß er nicht Sünde habe, Sprüchw.20, 6., ausgenommen der Herr Christus, der hat keinen Fehl.

Das ist nun unser Christlicher Glaube, daß wir wissen undbekennen, alle Menschen haben Fehler, sind beflecket, schuldig undgebrechlich, auch die Christen, sie haben alle Sünde; alleine derHerr Christus ist vollkommen, rein, heilig und gerecht. Darum,so ist auch das die Ursache, daß wir ihn allezeit essen müssen.Denn diejenigen, so da Christum nicht kennen, noch ihm an-hangen, die sind gäntzlich todt und sind nichts. Aber die ihn er-kennen und annehmen, das sind rechte lebendige Leute, Joh. 6,53. 54. Und dieselbigen sind etwas, aber dennoch sind sie nichtgantz und gar rein; sie sind wol Christen, aber darum nicht derHerr Christus selbst. Es ist wol etwas, aber doch sind sie allhierin diesem Leben noch nicht gar rein. Derohalben soll ihm diesenTitel niemand selbst zueignen oder zuschreiben, daß er gar ohneFehl sey, auf daß er Ursache habe, Christum allezeit zu essen, die-weil er lebet.

Zum vierten, so sollen sie ein Mannlein nehmen. Daskann dahin gezogen werden, daß Christus ein Mann gewesen ist.Aber es ist noch nicht genug, denn es gehet nicht auf den Glau-ben. Denn ein Weib ist eben so wol ein Mensch, als der Mann.Aber in der heiligen Schrift (1. Mos. 3, 17; 1. Cor. 11, 3.)stehet also, daß der Mann gesetzet sey zum Haupte des Weibes,und daß das Weib geniesse aller Güter und Ehre des Mannes.Denn Mann und Weib ein Leib ist, daß eines des andern sichsoll annehmen, und was einem geschiehst, das solle dem andernauch geschehen, denn es ist ein Ding. Also soll Christus nichtvor sich eine Person oder Mann seyn, ohne Flecken und Fehl,voller Weisheit und Gerechtigkeit, unschuldig und heilig; das mirdenn nicht hülfe, denn er, und nicht ich, hatte daran genug.

Zum fünften, so soll das Lammlein eines Jahres alt seyn.Auf daß es nicht zu jung wäre, so muß es nicht unter einemJahre seyn, sondern eines vollkommenen Alters. Also ist der