Druckschrift 
2 (1827)
Entstehung
Seite
193
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Von der Einsetzung des Osterlamms ec. 193

Solches kann nicht fehlen, so wenig Christus fehlen kann, sonder-lich wenn dieser Spruch Johannis des Taufers darzu kommet,wie man denn allhier Pauli Zeugniß hat, daß er das Osterlammauf den Herrn Christum deutet und von ihm ausleget.

So ist nun das erste, daß man das Schaf nehmen soll vonder Heerde. Es sind aber viel Oster-Lammer gewesen, möchtederohalben einer sagen: Haben wir denn auch so viel Christos,als viel da Christen sind, gleichwie man allhier so viel Oster-lammer hat haben müssen, als viel Hauser gewesen sind? Dawisse, daß dort ein leiblich, ausserlich Wesen ist, da sie nicht allein einem Hause wohnen konnten; aber dieselbige grosse Mengedamals ist nun in ein einiges Wesen gezogen, daß, wiewol siejetzt an einem Orte nicht alle sind, so müssen wir doch alle nurein Osterlamm haben. Das ist das erste, das Christus nichtalleine soll bleiben unter den Jüden, sondern unter den Heydenauch angenommen werden.

Das andere ist, daß man auch die nähesten Nachbarn zumEssen des Osterlamms ziehen und nehmen solle w. Damit willer haben, wie es auch Paulus zum Römern lehret, daß Christusdesto mehr ausgebreitet werde. Denn es ist nicht genug daran,daß diese oder jene Christum erkennen, sondern wir sollen es aus-breiten und jedermann verkündigen, auf daß viel Leute zu diesemeinigen Hause kommen möchten, ja die gantze Welt zum ReicheChristi gebracht würde. Vielleicht hat man damals viel Hausergehabt, darinnen so viel Personen gefunden worden sind, als damußten bey dem Osterlämmlein seyn, daß man es gantz und garaufessen konnte. Aber allhier, im Neuen Testament, fehlets alle-zeit, da sind nimmermehr Christen genug, Ps. 12, 2., daß wiraufhören möchten, Gaste zu diesem Osterlamm zu laden; sondernwir sollen immerdar weiter gehen und predigen, und uns auchzu denen finden, welchen Christus zuvor nicht ist geprcdiget wor-den, und sie lehren, die da Christum nicht erkannt haben, daß siezu dem geistlichen Reiche Christi auch gebracht werden. Ihr Oster-lammlein nehmen, war leiblich; aber unseres ist geistlich. UndGott hat dasselbige Osterlammlein genommen, wir haben es nichterwählet; dieses Osterlammlein nehmen gehet geistlich zu.

Zum dritten, so soll man ein solch Schaf nehmen, darankein Fehl ist, als, das da nicht hincket, einäugig, schabicht oderräudig wäre. Das ist, man soll Christum also erkennen undessen, daß man ihn habe und halte als den, der ohne Fehl undgesund sev. Denn man mußte das Osterlamm rein erziehen, das15- 13