192 Won der Einsetzung des Osterlamms w.
nachkommenden Tages. Die Nacht mit dem völligen Tage wardfür einen Tag gerechnet.
Diese Historie sollen wir wohl fassen, auf daß wir sehen,was Gott damit habe im Sinne gehabt. Dies Gesetz wird ihnenvon Gott geboten, gleichwie der Befehl von den ungesäuertenGroden, welcher auch gegeben ward von unfern Herrn Gott.Darnach ist Moses zugefahren und hat es ihnen vorgebracht.
Nun haben wir noch vor uns, die geistliche Auslegung undheimliche Deutung dieser Geschichte zu handeln. Ich habe aberzuvor gesagt, und sage es noch allezeit, daß wer da suchen undforschen will den heimlichen Verstand oder heimliche Deutung,welche unter einer Geschichte verborgen stecket, daß er sie alsoführe, daß sie sich reime mit dem Glauben; denn die heiligeSchrift ist sonst helle und klar, und darf keiner seine Traumehieher tragen. Es hat solches im alten Testamente etwas be-deutet, in dem Regiments, so der Herr Christus führete, wiees denn mit hellen, ausdrücklichen Worten und Thaten bezeugetwird, daß dies auf Christum gehet; denn es ist alles um denMann zu thun. Aber wir wollen so viel davon handeln, alswir können.
Erstlich, so sollte ein jeglicher Hausvater ein Lammlein neh-men für sein Haus, und so viel Menschen darzu ziehen, als esgenug war, daß sie es gantz aufessen könnten, sonst sollten sie ihreNachbarn auch darzu beruffen. Dieses Osterlamm hat SanctPaulus 1. Cor. 5, 7. 8. deutlich beschrieben und abgemalet, undherrlich herausgestrichen, was es bedeutet, da er spricht: „Wir„haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopffert;„darum lasset uns Ostern halten, nicht im alten Sauerteige ":c.,als sollte St. Paulus sagen: Cs ist nicht der Jüden Osterlamm,die ein ausserlich und leiblich Lammlein gegessen haben, sondernein geistliches und das nicht gesehen wird. Denn ob er wol vor-zeiten von den Aposteln ist gesehen worden, die mit Christo ge-gessen und getruncken haben, sind mit ihm umgegangen: so wirder doch jetzt nicht gesehen, sondern er ist in den Himmel aufge-fahren und sitzet zur rechten Hand seines himmlischen Vaters,Joh. 20, 17. Darum so essen wir nun den Herrn Christum,unser rechtes Osterlamm, im Neuen Testamente, wie denn auchJohannes der Taufer saget, Joh. 1, 29: „Siehe, das ist Got-tes Lamm, so da tragt die Sünde der Welt."
Dieses ist eine gewisse Deutung, daß man aus Christo einOsterlamm mache und auf ihn führe die heimliche Auslegung.