Druckschrift 
2 (1827)
Entstehung
Seite
191
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Von der Einsetzung des Osterlamms ec. t9t

war, so durfte er nicht mit essen, sondern alleine der Wirth, seinWeib, Söhne, Töchter, Knechte und Mägde; denn Gott hat esseinem Volcke gegeben. Wer aber ein gekaufter Knecht war, dermußte beschnitten werden, und alsdenn mochte er auch vom Oster-lamme essen.

Also war es beschrieben und gefasset, das sie dasOsterlämm-lein daheime essen sollten, und nichts liessen überbleiben, nichtsdaran zerbrechen mußten. Mit diesem ihrem Gesetze waren nurdie Juden beladen, das gehet uns nichts an; es sollte auch nichtewig bleiben, sondern nur stehen, bis daß Christus käme.

Das soll eine ewige Weise seyn. Ewig nennen dieJuden nicht alles, das kein Ende hat, sondern ewig heissen sie,das für und für wahret.

Den vierzehnten Tag auf den Abend mußten sie anfangenzu essen süsse Brod, und essen bis auf den ein und zwanzigstenTag desselbigen Monds. Also sehen wir, daß das Osterfest achtTage gewahret und eine gantze Woche gestanden habe. Aber eshat nicht allezeit am Sabbath angefangen, sondern unterweilenam Montage, zuweilen auch am Mittwochen, nachdem der Mondangegangen und gelaussen, gleichwie auch unser Christtag oft sofallet. Auch wenn wir den Ostertag halten, so zahlen wir nichtalso von dem vierzehnten Tag an, denn er oft über acht Tagehernach gehalten wird, wie denn auch die Pfingsten. Aber es istuns nicht geboten, und wir sind darum nicht Heyden, ob wir esgleich nicht also halten. Denn die Christen haben allezeit Ostertag,ihr Osterlamm wahret für und für.

Dennoch hat man es in der Christlichen Kirche behalten, wiees die Jüden gelassen haben, gleichwie man andere Gebrauchemehr behalten, als, daß die Weiber noch sechs Wochen habennach der Kindes Geburt. Jedoch halt man es so ferne, daß mannicht uns lasse ein Gebot daraus machen, oder daß es unser Ge-wissen verbinde, oder daß wir es thun müßten. Denn wir hal-ten die Zeit nicht, wie die Jüden, daß wir nach dem Mond rech-neten, sondern, wenn er nur kömmet der Ostertag, so feyern wirihn. Jedoch halten wir ihn allezeit auf einen Sonntag, essey am Monden, wie es wolle, darob uns denn die Jüdenschelten. Aber es liegt nichts daran. Am Abend sähet allezeitder Jüden Fest an, wie 1. V. Mos. 1, Z. geschrieben stehet:„Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag." Wenn derTag bey ihnen ein Ende hatte, so gieng der folgende Tag an.Wie denn auch bey uns die folgende Nacht ist der Anfang des