Von der Einsetzung des Osterlamms ?c. 189
u. s. w. Die Jüden haben das Haus völler gehabt, denn wir;die Manner haben viel Weiber genommen, und die Weiber dennviel Mägde gebraucht, und die Mägde waren auch ehelich, undwaren der Mägde Kinder bey der Frauen Kinder bey einander,also, daß ein Haus gleich wie ein eigen klein Königreich, oderwie eine Stadt gewesen, darinnen es krimmelte und wimmeltevon Kindern und Menschen, wie sie noch thun, wo sie wohnen.
Das Schaf oder Lamm sollte keinen Wandel haben, nichtdaß es nur weiß wäre, sondern daß eS nicht verwundet, nichtschäbig und sonst mangelhaftig wäre, noch ein Bein gebrochen hätte,sondern gantz heil und gesund, welches denn gar wohl also ver-deutschet ist. So soll es auch ein Männlein seyn.
So hat auch nicht die gantze Gemeinde ein Schaf opffernsollen, sondern so weit Israel Wohnste, so sollte ein jeglicherHauswirth sein Schaf haben, und da er es alleine nicht bezwin-gen konnte, mußte er seinen Nachbarn darzu nehmen, auf daßdies Osterlämmlein denselbigen Abend aufgegessen würde.
Und sollten es von der Heerde nehmen. Wo sollte man essonst nehmen? Daran sind sie harte gebunden gewesen, daß sieim Hause kein Schaf zum Osterlämmlein sonderlich haben auf-ziehen dürfen, sondern zur Heerde gehen und zu seiner Zeit dasLämmlein berausheben. Am zehenten Tage sonderte man es alsoab und stellte es in das Haus und behielt es daselbst vier Tage.So spricht nun Gott: Ein jedermann solle nun sein Schaf schlach-ten und opffern, welches denn einerley Ding ist. Denn alles,was sie opfferten, das schlachteten sie. Darum brauchet man inHebräischer Sprache immerdar dieser Worte eines für das andere.Als Rom. 12, 1. spricht Paulus: „Ihr sollet euren Leib opffern,das ist, schlachten, tobten." Also ward Jsaac geopffert, das ist,es galt ihm das Leben, er sollte den Hals herhalten, getödtet, ge-schlachtet und geopffert werden.
Also hat Gott das Fest bestimmet, daß es sollte angehenam Abend des vierzehnten Tages, auf daß am fünfzehnten Tagedes ersten Monds der rechte Ostertag wäre.- Das ist dies Gesetz,daher ist es ohne Zweifel geschehen, daß das wahre, rechtschaffene,liebliche und gnadenreiche Osterlämmlein, unser Herr Jesus Ehri-stus, am Palmtage ist zu Jerusalem eingeritten, hat vier Tageim Tempel geprediget, darnach das Osterlamm mit seinen liebenJüngern gegessen, ist bald darnach im Garten am Oelbergs ge-fangen worden, verspottet, verspeyet, gegeisselt, mit Dornen ge-