Von der Verstockung Pharao's. 181
Gott also auch handeln wollest, so hast du Gottes gefehlet. Dennwas mit Gott vorgenommen wird nach Gesetz, Maaß und Ziel,das trifft nicht zu. Die Vernunft kann nicht hören, denn daßsie gedencket: Also und nicht anders sollte Gott es machen, undurtheilet bald also, spricht: Ist es doch nicht gut, daß man ver-stocket! und machet ihm also ein Maaß; sie meynet, Gott seywie ein Mensch, daß man von Gott als von Menschen urtheile.Also verstehet es die Vernunft nicht, und will doch klug seyn undvon Gott richten, Matth. 11, 25. Ps. 51, 6. Aber Gott giebtdir Gesetze, und nimmt von dir keines; er steckt dir ein Ziel,und du nicht ihm. Darum ist es nicht recht, daß du es alsowillt und also für recht und gut anstehest, sondern wisse, daß eres also will haben und also gebeut; sein Wille geht über alleGesetze. Wenn er spricht: Ich will es also haben, so ist es überalle Gesetze; denn er ist ein unendlicher Gott, und hat es Machtund Fug.
Saget man aber: Ja, ich verstehe es nicht, daß es gut sey,daß er verstocket. Ja, Lieber, vor deinen Augen ist es böse;meynest du, daß du Gott seyst? Gott hat kein Maaß, Gesetzoder Ziel, (wie gesaget), darum so kann er darwider nicht thun,er kann wider Gesetz nicht sündigen, dieweil ihm keines vorge-stellet. Derohalben ist es alles gut, was er thut. 1. Mos. 1, 31.
Es fleußt auch daher eine andere Frage: Ob Gott zurSünde treibe? Solches machet, daß ich Gott fasse in einenRing und Eickel, oder in ein Glas, darinnen ich ihn behaltenwill. Er hat mir vorgeschrieben, wie ich leben und ihm dienensolle; da meyne ich denn, er solle auch also leben. Er giebt dasGesetz aus, aber er nimmt es nicht wieder hinauf. Es gebühretniemand, denn alleine Gott, Gesetz und Lehre zu geben, wie manleben und fromm seyn solle. Gott aber soll ich kein Gesetz ord-nen, wie er die Welt oder Menschen regieren möge. So haltedu es, wie du willt, dennoch ist es recht, was Gott thut; dennsein Wille ist nicht unrecht noch böse, er hat nicht Maaß oderGesetze, warum er diesen erleuchtet, oder jenen verstocket. Sollteich hierinnen Gott messen und urtheilen nach meiner Vernunft,so ist er ungerecht und hat viel mehr Sünde, denn der Teufel,ja er ist erschrecklicher und greulicher, denn der Teufel. Denn erhandelt und gehet mit uns um mit Gewalt, plaget und martertuns und achtet unser nicht.
Hierüber möchte einer thöricht werden, wenn er nicht seineVernunft gefangen nimmt, und aus dem Kopffe ihm treiben