180 Von der Verstockung Pharao's.
darauf sehen, daß es Gott also haben will und will also predigenlassen.
Das sage ich darum, daß man sich vorsehe und nicht zu hochin die Fragen fahre, sondern herunter sich lasse und Christum er-kennen lerne, und ein jeder auf seinen Beruf und auf sein Dingsehe, was ihm Gott befohlen habe, und bekümmere sich nichtmit den Fragen. Es ist dir nicht befohlen, solches zu forschen;du hast die Schuhe noch nicht ausgezogen, du kommest zu frühe,du lassest das anstehen, was du wissen und fragen solltest. Mosesfraget allhier Gott nicht und bekümmert sich auch nicht, warumGott den Pharaonem verstecke, er disputiret allhier deshalbenmit Gott nicht.
Aber gleichwol, daß ihn Gott verstecken will, geschiehst nichtohne Ursache. Denn Gott will viel Wunderzeichen thun, da Mosesdie Kinder Israel soll ausführen. Im neunten Capitel wird ge-saget: „Ich will dich verstecken, auf daß ich an dir beweise meineKraft, und meine Ehre und Preiß der Welt bekannt werde."Darzu dienen der Tod, der Teufel und die zornigen Fürsten, daßsie'Gottes Ehre hoch machen. Wenn sie das Gewissen nicht alsobeschwereten, sondern friedlich einher giengen, so würde die Kraftdes Glaubens und gottlichen Worts von niemand erkannt. Aberdieweil der Teufel tobet, so scheinet und leuchtet der Glaube, unddas göttliche Wort tröstet mich und machet mich muthig, unddas Gewissen erfahret es, daß ein Nachdruck und Gewalt beydem göttlichen Worte ist.
Hier wird nun erreget diese Frage: Ob Gott derjenigesey, der die Menschen verharte und zwinge zum Bösen und zurSünde? Warum verdammet er denn die Menschen? Die Ver-nunft schleußt allhier: Sollte Gott die Sünde verdammen wol-len, so würde er nicht heissen sündigen, oder würde den Unge-rechten und Gottlosen nicht geschaffen haben. Nun, die Vernunftwill allezeit Gott Hofmeistern, ob er Fug und Recht habe, willGott messen nach ihrem Gesetz und Gedancken. Gott sollte sau-berlicher handeln und nicht also erschrecken, sondern auf die undjene Weise es machen, und stellet Gott also ein Gesetz vor. Aberdas mußt du aus deinem Kopffe lassen, wenn du von Gott redenwillt, daß du kein Gesetz oder Maaß auf Gott giebest; denn erist nicht eine Creatur, er ist unermeßlich.
Dem Menschen ist ein Maaß gesetzet, ich soll so und sothun; mein Leben ist endlich, es kann gefasset werden und hateine Regel, Maaß, Weise und Gesetz, Weish. It. Da du mit