Von den Abraham gegebenen Verheißungen. L7
viel und mancherley Wunderwercken und Zeichen offenbaret hatund bezeuget, daß er ein Gott dieses Volckes sey.
Ob es sich derohalben wol lasset ansehen, daß die Geschichteund Handel des Jüdischen Volckes der Pracht und denen Trium-phen der Heyden nicht gleich sind, und man dafür halt, daß dieanderen Königreiche, als das Babylonische, Persische, Griechischeund Römische mit Gewalt und Reichthum das Jüdische Regi-ment weit übertreffen; jedoch, wenn du dieses Volckes Regenten,ncmlich Gott selbst, ansehen willt, welcher, wie im ProphetenEs. 31, 9. stehet, seine Feuerstatte zu Jerusalem gehabt hat undgleichsam ein Mitbürger daselbst gewesen ist: so wird dich düncken,daß aller Königreiche und Völcker Siege und Triumphe dargegenein Stanck und Unflath seyn und diese Geschichte allein Werth,daß man sie hoch halt, rühmet und preiset, weil es gewiß ist,daß sie von diesem Hausvater, welcher der einige Gott ist, Schöpf-fer und Erhalter allerDinge, ausgerichtet und geschehen seyn. Dennobwol eben er auch die andern Königreiche regieret, so thut eres doch verborgener Weise, also, daß es auch die selbst, welchensolcheWohlthaten widerfahren und sie dieselbe fühlen, Nichtwissen.
Aber in diesem Volck offenbaret er sich, in diesem Volck willer erkannt seyn, gepreiset und geehret werden. Darum erwählet erihm das Tabernackel und Heisset ihm einen Tempel zurichten, aufdaß er einen gewissen Ort bey diesem Volck habe, welchem ersich offenbare im Worte, Zeichen, Wunderwercken, Gebrauchenund Ceremonien u. s. w., auf daß man überall spüren und er-kennen könne, daß er gegenwartig sey und sich schier mit Händengreiffen lasse. Diesen Vorzug fasset Moses in diese Worte: Ichwill dich zu einem grossen Volck machen.
Es seyn wol die Heyden mit Gewalt und Gütern weit überdies Volck und sind ihre Geschichte und Handel ansehnlich, also,daß sich jedermann ihrer verwundert; aber das ist alles nichts ge-gen diesen sonderlichen Vorzug und Freyheit, welche Moses 5.Mos. 4, 7. trefflich rühmet, nemlich, daß dieses Volck einen Gotthabe, der sich nahe zu ihnen thue, das ist, der mitten unterihnen wohne und sich offenbare im Wort, Gottesdienst, in denheiligen Propheten, die des heiligen Geistes voll waren und die-ses Volck von Gottes Willen unterrichteten.
Dieses sind rechtschaffene und vollkommene Güter, welchedie Welt nicht verstehet, denn sie hat sie gantz und gar nicht.Darum nennet Moses sein Volck ein groß Volck auf eine vielandere Weise, denn Cicero und Demosthenes. Wiewol es auch