56 Won den Abraham gegebenen Werheissungen.
schaft, darinnen er ohne Zweifel ohne ein grosses Ansehen undNamen nicht gewesen ist? Ist es denn leichter, zur Nahrung undEhren zu kommen unter unbekannten Leuten, und bey denen mannicht eines Fusses breit eigen hat, denn daheim, da man Aeckerund Freunde, Verwandte und eine wohlbestellte Haushaltunghat?
Darum muß gar eine grosse und hohe Kraft des Heiligen Gei-stes in Abraham gewesen seyn, daß er solche unmögliche, unglaub-liche und unbegreiffliche Dinge in sein Hertz hat fassen können undsie also anstehet, als waren sie wahr und schon vorhanden; son-derlich, weil er nun begunnte alt zu werden. Denn er war beyfünf und siebenzig Jahren, Sara aber war zehen Jahre jüngerund unfruchtbar.
Lieber, wie düncket dich nun, daß sich solches alles mit die-ser Verheissung reime: Ich will dich zu einem grossen Volckmachen; denn er zeiget damit an, daß sein Geschlecht und Nach-kommen ein groß Volck werden soll. Woher soll er aber Kinderund Nachkommen nehmen, weil er einen unfruchtbaren Ehestandbesitzet? Solche große Last des Unglaubens und solche hohe Berge,die den Glauben überfallen und schwer machen, überwindet dieserheilige Patriarch alle durch den Glauben und setzet hinüber, kle-bet und hanget an dem einigen allein: Siehe, das saget dir Gottzu, darum wird es dir gewißlich nicht fehlen, ob du wol wederWeg noch Weise, noch auch die Zeit sehen kannst, da diese Ver-heissung soll erfüllet werden.
Und Heisset der Herr Abrahams Geschlecht ein groß Volcknicht allein der zeitlichen oder leiblichen Grösse halben, sondernauch der geistlichen, doch also, daß es in diesem leiblichen Lebenseyn soll. Denn dieses Volck muß man unterscheiden von allenKönigreichen und Völckern der gantzen Welt, wie groß und ge-waltig sie auch seyn. Denn Gott giebet Land und Leute, König-reiche und setzet ihnen Zeit, wie lange sie wahren sollen, wieDaniel Cap. 2, 2l. saget. Er giebet sie aber aus seinem heim-lichen Rath, daß es die auch nicht wissen, denen er sie giebet;denn sie meynen, es geschehe ohngefehr und zufalliger Weise, daßeiner ein König wird, oder ein Königreich ererbet, und sehennicht, daß es Gott vom Himmel herab also schicket und regieret.
Darum ist des Glückes Name so gemein und berufen unterden Heyden, so sie doch nicht wissen, was das Glück sey. Aberdieses Volck hat vor allen Völckern und Königreichen der Weltdiesen Vorzug gehabt, daß sich Gott ihm in seinem Wort mit