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2 (1827)
Entstehung
Seite
55
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Von den Abraham gegebenen Verheissungen. 65

ansehen müssen. Und von Maria saget Simeon Luc. 2, 36,daß ein Schwerdt durch ihre Seele gehen werde. Denn dieBosheit der Welt können heilige Leute ohne große Schmertzenund Betrübniß im Hertzen nicht ansehen. Aber, wie gesaget, istunser auch derer, so vor uns gewesen und nach uns seyn werden,Ereutz und Leiden nichts gegen dieser heiligen Vater, die ein solchverkehrtes Wesen und Bosheit der Welt bey fünfhundert Jahrenund darüber haben sehen müssen.

Darum lasset uns solche traurige Bilder, Spectackel undPfeile des Satans, die er in unsere Hertzen schießt, auch gedul-dig leiden.

Denn wir es ja nicht besser haben sollen, denn die HeilgenVater vor uns; wiewohl wir es, wie gesaget, deshalben viel bes-ser haben, daß wir kürtzere Zeit zu leben haben. Dieses habeich kürtzlich, als zu einer Vorrede über dieses Capitel erzehlenwollen.

Von den Abraham gegebenen Verheissungen.

1. B. Mos. 12.

dieses ist ein sonderlicher fürtrefflicher Text und einer aus denfürnehmsten der gantzen heil. Schrift. Darum soll man ihnnicht leichtsinnig und obenhin berühren und überlauffen, sondernfleissig ansehen, sorgfaltig auseinander wickeln und erklaren.

Wie wir nun die Strafe der Abgötterey, darinnen Abrahamgelebet hat, recht deuten und ziehen auf das Gesetz, dadurch dieSünden gestrafet werden: also möchte man wohl diesen grossenTrost oder Verheissung das Evangelium nennen. Was aber Gottso kurtz und gleichsam in einer Summa verheisset, das wird indenen folgenden Capiteln reichlicher und weitlauftiger dargethanund vermeldet.

Darum mußt du es hier zu allererst dafür halten, daß dieDinge, welche der Herr Abraham hier zusaget, schlecht unmög-liche, unglaubliche und erlogene Dinge sind, so du sie aus derVernunft urtheilen willt; denn sie sind unsichtbar. Denn soGott dergleichen etwas mit Abraham gedencket vorzunehmen,warum lasset er ihn nicht in feinem Lande und bey seiner Freund-