54 Vom Thurmbau zu Babel.
Der andere große Haufe ist in sich selbst zertrennet, mit demHertzen, wie mit der Sprache, und leistet den allerangenehmstenDienst dem Teufel, welcher ein Vater und Stifter ist aller Kriegeund Uneinigkeit.
Zum dritten. Weil wir nun von der Sünde und Strafederer, so den Thurm gebauet, gefaget haben, ist es nicht ohneNutzen, daß man die Zeit zusammenrechnet, nemlich, wie vielJahr da seyn zwischen der Sündfluth und diesem Sohn Peleg,unter welchem der Thurm zu Babel gebauet und die Trennungund Verwirrung der Sprachen geschehen ist. Nun seyn fast hun-dert Jahr nach der Sündfluth verlausten gewesen, da solches ge-schehen ist, und ist dieselbe Zeit Noah siebenhundert Jahr alt ge-wesen; denselben haben bey seinem Leben, da er regieret undihnen von solchem großen Zorn Gottes geprediget hat, mit seinergantzen Kirche und Geschlecht der heiligen Vater, diese gottlosenLeute verachtet, nemlich Ham mit seinen Enckeln, die eines sogroßen und schrecklichen Zorns Gottes bald vergessen haben. Wel-ches denn den frommen Noah und die Seinen gar hefftig wirdgekrancket haben, daß seine Nachkommen in solches haben an-sehen und dafür vergeblich warnen lassen, das sie ihnen vorge-nommen haben. Darum wird allhier derselbe heilige Mann aber-mal verlachet, als ein alter Narr und Fantaste.
Wenn wir derohalben unsere Anfechtungen, Creutz und Be-schwerungen mit diesem Leiden, Plage und Anfechtung der heili-gen Vater vergleichen wollen, so seyn sie nichts dargegen. Denn,ob wir wol auch große Unlust, Jammer und Unglück in derWelt sehen, so sehen wir es doch nicht lange und seyn deshalbenseliger, daß wir desto eher aus einer solchen argen Welt geholetwerden. Noah aber hat die Bosheit seiner ungerathenen Nach-kommen bey vierthalbhundert Jahr sehen müssen. Was wollenwir wohl meynen, was für Jammer er diese Zeit über wird habensehen müssen.
Darum ist desfalls der fromme Sohn Sem seinem Vaterweit überlegen gewesen, als der diesen Jammer viel langer hatsehen müssen, und bey fünfhundert Jahre nach der Sündfluthgelebet hat. Darum seyn es Märtyrer, auf welche billig alleMenschen zu allen Zeiten sehen sollten und ihrem Exempel nachlernen geduldig seyn.
Also prediget St. Petrus 2. Epift. 2, 7. von Loth, demGerechten, daß seine Seele geplaget und gemartert worden sey,da er die gottlosen und schandlichen Wercke der Sodomiter habe