Druckschrift 
2 (1827)
Entstehung
Seite
53
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Vom Thurmbau zu Babel. ZZ

Einigkeit machet, auf daß wir, gleichwie mancherlei) Heerden,unter einen Hirten gebracht und in einen Schaaffstall versammletwerden. Diese Hülfe und Wohlthat des Herrn Christi ist unseraller gemein; darum denn die Ungleichheit, die da im ausserlichenLeben ist, nichts schadet noch hindert.

Derohalben wir auch für diese Gabe ihm zu dancken haben,daß er diese allerschwereste Strafe, die ein Ursprung und Ursachalles Unglücks und Uneinigkeit gewesen ist, durch seinen HeiligenGeist aufgehoben und zu uns eine heilige Einigkeit gebracht hat,obwol die Mannigfaltigkeit und Ungleichheit der Sprachen bleibet.Denn da dieser Mittler Christus nicht erkannt wird, da ist Un-einigkeit und scheußliche Blindheit, in den Hertzen sowol, als inden Sprachen.

Wenn wir derohalben alle Historien aller Völcker und Zeitendurchsehen, so befinden wir, daß aus dieser Ungleichheit und Man-nigfaltigkeit der Sprachen mancherley Empörungen, Krieg undgroße Veränderungen in Sitten und in der Religion, darzu man-cherley Gedancken und Wahn der Leute entstanden seyn. Dar-um hat Gott eine so große Plage und Jammer durch ein neuesWunderwerck wenden und abschaffen wollen.

Einen Wahlen verstehe ich nicht, so verstehet er mich wiedernicht, darum wachset daraus gleichsam eine natürliche Ursacheines Zorns und Feindschaft zwischen uns. Wenn wir aber allebeyde Christum verstehen, so gewinnen wir einander lieb, alsunsere Glieder, die wir denn untereinander seyn.

Wo aber Christus nicht ist, da regieret noch heutiges Tagesdiese babylonische Plage, nemlich Zertrennung der Sprachen, dieda gewiß auch eine Trennung der Hertzen anrichtet und nichtallein das Hausregiment und Policey, sondern auch die Religionund Kirche unruhig und unordentlich machet.

Diese greuliche Strafe aber vermahnet und warnet uns,daß wir uns hüten sollen, daß wir nicht von dem Wort abfalligwerden, oder uns andern vorziehen, als waren wir frömmer undheiliger. Denn, weil dieses die Nachkommen Hams gethan haben,ist darauf so eine greuliche Strafe gefolget, die da, wie manwohl sagen möchte, schier mehr Schaden im menschlichen Ge-schlecht angerichtet hat, denn die Sündfluth selbst. Denn dieselbehat allein verderbet die Leute, so zu einer Zeit gewesen seyn, jeneStrafe aber wahret bis zur Welt Ende, wiewohl uns Christushierinnen durch seinen Geist eine Hülfe gethan hat. Wie garklein aber ist dieser Theil, so das Wort annimmt und glaubet?