52 Vom Thurmbau zu Babel.
wirrung und Trennung der Sprachen gefolget, bedencken will.Denn wo man einerley Sprache hat, ist es erstlich eine starckeHülfe und Förderung darzu, daß sich die Leute zusammenhaltenund in Einigkeit bey einander leben, und zeucht sich hieher auchdas Sprüchwort, darinnen man saget: Gleich und gleich geselletsich gerne.
Denn ein Deutscher redet und gehet gerne um mit einem,der seiner Landesart und Sprache ist. Da aber mancherley undungleiche Sprachen seyn, da ist nicht allein keine Gesellschaft,sondern es wachset im Hertzen auch ein Groll und Feindschaft ge-gen ein solches Volck, deß Sprache man nicht verstehen kann.Also ist ein Frantzose einem Deutschen feind und verachtet ihn;die Wahlen aber verachten und hassen alle andere Nationen, soihre Sprache nicht führen.
Darum kann man aus dieser Trennung der Sprachen er-achten und spüren, daß ihre Hertzen untereinander zertheilet undzertrennet, ihre Sitten verkehret und alle ihre Gedancken, Artund Vornehmen sich verwandelt haben, daß man solche Spaltungder Zungen recht nennen möchte einen Ursprung und Ursache allesUebels und Unglücks, denn sie zugleich im weltlichen und Haus-regiment Unordnung und Verwirrung angerichtet hat.
Und wiewol dieses gar ein großer Schade und Unrath ge-wesen, so ist er doch gegen den nichts, daß durch diese Trennungder Sprachen auch die Kirche in Unordnung gekommen, betrübetund Raum und Ursach gegeben worden ist zu unzahlicher Abgöt-terei und Aberglauben.
Denn wer wollte nicht sehen, daß das Lehramt durch dieseVeränderung der Sprachen schier gar aufgehoben worden ist?Denn Eber, welcher ohne Zweifel die erste und rechte Sprache be-halten, hat die andern, welcher Sprache er nicht gewußt und sieihn wieder nicht haben verstehen können, nicht weiter lehren undunterrichten können.
Darum ist im Neuen Testament dieses gar eine große Wohl-that und ein sonderliches Wunderwerck, daß am Psingsttag derHeilige Geist durch mancherley Sprachen allerley Lander Völckerin einen Leib, welches Haupt Christus ist, zusammengefasset hat.
Denn Christus bringet sie durch das Evangelium alle zueinem Glauben, so doch die mancherley Sprachen bleiben, undreistet die Wand und den Zaun um, nicht alleine damit, daß eruns durch seinen Tod mit Gott versöhnet und zu uns in neuerSprache redet, sondern auch damit, daß er auswendig Friede und