48 Von der allgemeinen Verderbtheit der Menschen.
Schade allein durch den Geist Gottes geheilet werde. Wennnun dies im Hertzcn vest gegründet ist, so haben wir den Grundunserer Seligkeit zum mehrern Theil geleget. Denn darnachhaben wir klare Zeugnisse, daß Gott die Sünder nicht verwerfenwill, das ist, die ihre Sünden erkennen, Busse zu thun begehrenund dürsten nach der Gerechtigkeit oder Vergebung der Sündendurch Christum.
Darum sollen wir mit allem Fleiß zusehen, daß wir unsnicht finden lassen unter diesen Cyclopen, die Gottes Wort wider-streben und ihren freyen Willen und eigene Kräfte rühmen. Denn,ob wir wol oft straucheln, fallen und sündigen, so will doch derHeilige Geist, wo wir ihm, wenn er uns strafet, mit demüthi-gem Bekenntniß unserer Bosheit weichen, bey uns seyn und dieerkannten Sünden nicht allein nicht zurechnen, sondern will siedurch Christi Gnade zudecken und uns mit andern Gaben, diebeyde zu diesem und jenem Leben noth seyn, reichlich begnaden.
Aber die Worte Mösls selbst soll man auch fleissig betrach-ten-, denn hier hat er aus gewissem Rath und Bedencken einesonderliche Art zu reden gebraucher, daß er nicht schlechthin saget:Die Gedancken des Menschen seyn böse, sondern, das Dichtender Gedancken. Und also nennt er das, so der Mensch vermagin seinen Gedancken, oder mit seiner Vernunft und dem freyenWillen, in dem allerhöchsten Grad. Denn darum nennet er esein Gedicht, daß es der Mensch mit dem höchsten Fleiß erdencket,erwählet, thut, wie ein Töpffer, und hält es für das allerhöchsteWerck. Das ist aber, spricht er, böse, und zwar nicht einmal,sondern für und für, zu aller Zeit; denn ohne den HeiligenGeist ist die Vernunft scklechterdings ohne alle Erkenntniß Gottes.Nun Heisset aber ohne Gottes Erkenntniß seyn, allerdings gottlosseyn, im Finstern leben und das für das beste halten, das dasärgste ist.
Wenn wir aber vom freyen Willen disputiren, so fragenwir, was er vermöge theologischer Weise, (das ist, in Sachen,so Gott, Gottes Willen und Wort anlegen,) nicht, was seinVermögen sey in weltlichen Dingen und denen, so der Vernunftunterworfen seyn, und schließen also, daß der Mensch ohne denHeiligen Geist'vor Gott schlecht gottlos sey, wenn er gleich mitaller Heyden Tugenden gezieret wäre, wie man denn wahrlichin der Heyden Historien findet treffliche Exempel der Zucht, derMäßigkeit, der Freygebigkeit, der Liebe gegen sein Vaterland,gegen Eltern, Kinder, item Exempel der Mannhaftigkeit, Freund-