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2 (1827)
Entstehung
Seite
37
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Vom Ursprung der Opfer. 37

dennoch der gottlose Cain sein gottloses Hertz und Gedancken sobergen und heimlich hatten, daß er seiner Eltern Lehre zuhöret,als wäre ihm Gottes Wort ein grosser Ernst, und opffert auch,wie sein anderer Bruder, der fromm und gottesfürchtig ist. Dar-um ist dieses ein Exempel der Heyden Kirchen, nemlich der rech-ten und heuchlerischen, wie wir an einem andern Ort weitlauff-tiger anzeigen wollen.

Wiewol aber allhier allein des Opffers, nicht aber der Pre-digt gedacht wird, soll man es doch dafür halten, daß sie ohnedie Predigt des Wortes nicht geopffert haben. Denn Gott lassetihm mit einem stummen Werck nicht dienen, sondern es mußein Wort darbey seyn, welches dem Menschen im Hertzen undGott in Ohren schallet; wie denn auch die Anruffung des Na-mens Gottes zu diesem Opffer gekommen ist.

Man fraget aber hier, ob Cain und Habel auch irgend einWort oder Gebot Gottes zu opffern gehabt haben? Antwort: Ja.Denn das beweisen alle Historien der Heiligen Schrift, daß dergütige, barmhertzige Gott durch seine überschwengliche Gnade alle-zeit, neben dem Wort, auch ein ausserlich und sichtbarlich Zei-chen der Gnade gegeben und aufgerichtet hat, daß die Menschen,durch ein solch ausserlich Zeichen und Werck, als ein Sacrament,erinnert, desto gewisser glauben könnten, daß ihnen Gott günstigund gnadig seyn wollte. Also ist nach der Sündfluth der Regen-bogen darzu erschienen, daß er ein gewiß Zeichen seyn sollte, daßGott hinfort solche Strafe nicht mehr über die Welt wollte gehenlassen. Abraham ward die Beschneidung gegeben, wie wir hörenwerden, daß er darbey schliessen und gewiß seyn sollte, daß Gottsein Gott seyn und ihm einen Saamen geben wollte, darinnenalle Volcker sollten gesegnet werden. Im neuen Testament habenwir die Taufe und Sacrament des Altars, als sichtbarliche Zeichender Gnade, daß wir glauben und darbey gewiß schliessen sollen,daß unsere Sünden durch Christi Leiden aufgehaben und wirdurch seinen Tod erlöset sind. So ist die Kirche niemals so garohne ausserlich Zeichen gewesen, daß man nicht hatte wissen kön-nen, wo sich Gott eigentlich und gewiß wollte finden und antref-fen lassen.

Wiewol aber die Welt fast Cain nachfolget und solche Gna-den-Zeichen mißbrauchet zur Heucheley, so ist es doch wahrlicheine unaussprechliche Gnade und Barmhertzigkeit Gottes, daß ersich uns auf so mancherley Weise erzeiget, wie denn diese Gnadeund Gabe hoch gepreiset wird, Sprüchw. 8, 30. 31: Ich hatte