Eva's Glauben an die Verheissung. 35
Verheissung von dem zukünftigen Heyl, durch den gedenedeyetenSaamen geglaubet hat. Und weil sie glaubet, freuet sie sich sosehr ihres Sohnes und redet also prachtig von ihm: Ich habeden Mann des Herrn überkommen, der sich besser halten wird,denn ich und mein Mann Adam uns im Paradies gehalten ha-ben; darum will ich ihn nicht meinen Sohn nennen, sondern erist der Mann Gottes, von Gott verheissen und gegeben. Dieses,sage ich, hat auch können die Ursach gewesen seyn, darum sie denCain nicht Sohn genennet hat.
Daß nun Heva so hanget und klebet an göttlicher Verheis-sung und am Glauben der Erlösung, so durch ihren Saamengeschehen sollte, daran thut sie recht. Denn durch diesen Glau-ben an den zukünftigen Saamen seyn gerecht und sel'g wordenalle Heiligen. Aber in der Person irret sie und glaubet, Eainwerde es seyn, der dem Jammer, darein sie der Teufel durch dieSünde gestürtzet hatte, ein Ende machen werde. Aber solchesglaubet sie aus ihrem eigenen Wahn, ohne ein gewisses Zeichenund gewisses Wort. Es war wol die Verheissung gewiß undwahrhaftig, aber der Person halben war nichts angezeiget, daßentweder Cain oder Habel der Schlangentreter seyn würde.
Weil sie derohalben auf die Person schliesset, fehlet sie undgiebet ihrem Sohn einen prachtigen und fröhlichen Namen ver-geblich. Denn der Text giebet, daß Cain genennet wird, vomWort K an ah, das Heisset, besitzen oder überkommen, daß siesich also mit diesem Namen selbst tröstet wider den emvffangenenSchaden, und halt gegen dem, daß sie durch die Sünde und denTeufel das Leben und Seligkeit verloren hatte, dieses wiederum,daß sie nun durch diesen Saamen dasselbe Leben und Seligkeitwieder überkommen habe, als wollte sie sagen: Ich weiß michwohl zu erinnern, was wir durch die Sünde verloren haben, nunaber hoffe und rede ich nichts anders, denn daß ich zu dem allenwieder gekommen bin, denn ich habe überkommen den MannGottes, der uns zu aller Ehre und Herrlichkeit, die wir verlorenhaben, wieder helfen wird. Weil also Heva der Zusage allzuge-wiß ist, so eilet sie und meynet, daß dieser erste Sohn der seynwird, von dem der Herr die Verheissung gethan habe.
Aber die arme Frau wird betrogen und stehet ihren Jam-mer noch nicht recht, nemlich, daß vom Fleische nichts anders,denn Fleisch kann geboren werden, daß auch durch Fleisch undBlut die Sünde und der Tod nicht können überwunden werden.Darzu weiß sie auch nicht die Zeit und Stunde, zu welcher die-
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