Druckschrift 
2 (1827)
Entstehung
Seite
29
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Von den Folgen des Sündenfalls. 29

saget: er fliehe nicht darum, daß er gesündiget habe, sondern,daß er die Stimme des Herrn gehöret habe, dafür sey er erschro-cken, und schäme sich darum, daß er nackend sey. Es bedencketaber der arme Stümpler nicht, daß er diese Furcht zuvor nichtgehabt, noch sich geschämet habe, daß er nackend gewesen sey.Denn dieweil ihn Gott also geschaffen hatte, warum sollte er sichder Blöße wegen scheuen, welche Gott geschaffen hatte? Zuvorwar er nackend gegangen im Paradies vor Gott und allen Crea-turen, wußte, daß ihn Gott lieb hatte, und hatte seine Luft anGott; nun aber schämet er sich, daß er nackend ist, fleucht vorGott und versteckt sich. Solches alles seyn gewisse Argumentaund Beweisungen, damit Adam sich selbst verdammet und seineSünde an den Tag giebet.

Derohalben lasset uns lernen, daß dieses der Sünden Artund Natur ist. Wo Gott nicht bald Hilst und den Sünder wie-derum rufet, so fleucht er ohne Ende und Aufhören von Gott,und weil er die Sünde mit Lügen entschuldigen will, häufet ereine über die andere, bis daß er kömmt zur Gotteslästerung undVerzweifelung. So schleppet immer eine Sünde die andere nachsich und machet einen ewigen Fall, bis so lange der Sünder zu-letzt Gott vielmehr die Schuld giebet und anklaget, denn seineSünde erkennet. Adam hätte sagen sollen: Herr, ich habe ge-sündiget. Das thut er aber nicht, sondern zeyhet Gott der Sün-de, und saget nichts anders, denn: Herr, du hast gesündiget;denn ich wäre wol heilig geblieben im Paradies, nach dem Anlnßdes Apffels, wärest du zufrieden gewesen. Denn daß AdamsHertz und Gedancken endlich also gestanden seyn, zeigen dieseWorte an: Ich wäre nicht geflohen, wo mich deine Stimmenicht erschrecket hätte.

Also, wenn gleich der Mensch von Gott um der Sündewillen angeklaget wird, so erkennet er doch nicht seine Sünde,sondern klaget vielmehr Gott an und wirfet die Schuld von sichauf seinen Schöpffer; daß sich also die Sünde unzählichec Weisehäufet und mehret, wo Gott nicht zu Hülfe kömmt mit Gnadeund Barmhertzigkeit. Und hält dennoch Adam diese gottlose undhöchste Thorheit für die größte Klugheit. Denn so gar ist er mitSchrecken betreten und übereilet, daß er nicht weiß, was er redetoder thut, und, indem er sich entschuldigen will, klaget er sichselbst zum hefftigsten an und mehret die Sünde unzählich.

Wir sollen aber nicht gedencken, daß solches Adam alleinwiderfahren sey, sondern wir thun alle also, und lässet uns un-