Won den Folgen des Sündensalls. 27
der Wille falsch und unrecht sey, beweiset die That, daß sie sichdeß gelüsten lassen, das von Gott verboten ist, und sich also ge-lüsten lassen, als die Gott ungehorsam sind, dem Teufel aber ge-horchen. So können wir nun nicht zweifeln, daß die Vernunftverderbet und gefälschet sey, weil wir den Anschlag sehen, durchwelchen Adam und Heva gedencken, sicher zu seyn. Denn ist dasnickt die höchste Thorheit, sich unterstehen unmöglicher Dinge,wie sie denn thun, weil sie fliehen, vor dem sie doch nicht fliehennoch verborgen seyn können; zum andern, die Flucht auf so nar-rische Wege und Weise vornehmen, daß sie gedencken, unter denBaumen sicher zu seyn, da sie doch keine eiserne Mauer, keinegroßen Berge noch Klüfte vermochten zu schützen!
Wenn also der Glaube und Zuversicht auf Gott hinweg ist,so folget greuliche Furcht im Willen; und wenn die schönsten Ga-ben, als Weisheit und Verstand, hinweg seyn, so folget daraufdie äusserst? Thorheit, daß man sich auf die allernärrischsten Wegeunmöglicher Dinge unterstehet. So gar ein tiefer Schade ist dieErbsünde, und ist doch dieses noch kaum ein Vorspiel; denn esist die Sache noch nicht zum Austrag und Urtheil gekommen,welches viel greulicher und schrecklicher ist.
Es folget nunmehr die Beschreibung des Gerichtes. Dennnachdem Adam durch das Gewissen seiner Sünde geschrecket ist,fleucht er vor Gott und fühlet, daß ihm nicht allein das Para-dies, sondern die gantze Welt zu enge wird, und sich nirgend ge-trauet, sicher zu bleiben. Darum giebet er in solcher Angst seineThorheit an den Tag, daß er der Sünde mit Fliehen gedencketzu rathen, da er doch schon allzuweit von Gott geflohen war.Denn die Sünde ist an ihr selbst ein wahres Abtreten von Gott,darum wäre ihm nicht vonnöthen gewesen, eine andere Fluchtvorzunehmen. Aber so gehet es, und ist dies der Sünden Artund Natur, daß, je weiter ein Mensch von Gott gegangen ist,je ferner er wünschet von ihm zu kommen, und wer einmalflüchtig und abtrünnig worden ist, der bleibet ewiglich flüchtig.Darum saget man auch von der Strafe in der Hölle, daß diesdie größte Angst und Pein sein wird, daß die Gottlosen immerwerden fliehen wollen und doch fühlen, daß sie davon nicht kom-men können, wie allhier Adam auch immer fliehen will, da erschon ergriffen und gefangen ist.
Diese Worte: Wo bist du? sind Worte des Gesetzes, durchGott in das Gewissen gerichtet und gesprochen. Denn obwolvor Gott alles entdecket und bekannt ist, Ebr. 4, 13: so redet er