Druckschrift 
2 (1827)
Entstehung
Seite
26
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26 Von den Folgen des Sündenfalls.

gspflantzet wird. Das machet auch, daß wir desto schwerer ver-stehen können, was die erste Gerechtigkeit gewesen sey. Dennim Menschen war erstlich gar ein trefflicher Glaube und Ver-trauen auf Gott, also, daß er sich auch nicht gefürchtet hätte,wenn er hatte sehen den Himmel fallen.

O, wie ist das so ein schwerer Fall, aus der höchsten Sicher-heit, Vertrauen und Lust gegen Gott gerathen und fallen in eineso schreckliche Furcht, daß der Mensch vor Gottes Angesicht mehrfleucht, denn vor dem Teufel, wenn er ihn gegenwärtig vorhan-den sähe. Denn Adam und Heva fliehen vor dem Teufel nicht,vor Gott aber, ihrem Schöpfer, fliehen sie, den halten sie fürernster und mehr zu fürchten, denn den Teufel, den sie für bes-ser achten; denn sie fliehen vor ihm nicht. Darum ist dieseFurchteigentlich ein Fliehen, Haß und Feindschaft vor Gott.

Hier soll man auch sehen, wie die Sünde steiget und im-mer je größer und stärcker wird, bis so lange sie überschwenglichund überaus sündig wird, wie sie Paulus Rom. 7, 13. pflegetzu nennen. Denn, erstlich fallet der Mensch vom Glauben inUnglauben und Ungehorsam, dem Unglauben aber folget die Furcht,Haß und Fiehen vor Gott, welche endlich mit sich bringen Ver-zweiflung und Unbußfertigkeit. Denn wohin wollte ein HertzZuflucht haben, wenn es sich vor Gottes Gegenwart so fürchtetund erschricket? Soll es zum Teufel fliehen? Das ist wedernütze, noch zu rathen, und geschiehst dennoch. Denn diese Hi-storie zeiget an, daß Gott den Menschen geschaffen und zumHerrn über alles gesetzt habe, und dennoch fliehe er vor Gott,und sey nichts, dem er feinder sey und übeler dulden könne.Denn sonst würde er sich von ihm nicht abwenden, würde vorihm nicht fliehen, noch sich vor seiner Stimme entsetzen, wenner kömmt, nicht bey Nachte, auch nicht mit Donner und Blitzen,wie auf dem Berge Sinai, sondern am hellen und lichten Tage,da die Luft fein säuberlich gehet und die Blätter der Bäume einwenig reget und beweget. Darum ist nichts schwächeres nochelenderes, denn ein Gewissen, so durch das Gesetz Gottes ge-schreckt wird und seine Sünde beginnet zu sehen und zu fühlen.Dieses machet, welches doch das ärgeste ist, daß Adam und Hevaihren Gott und Schöpffer fliehen und ihre Zuflucht nehmen zueinem höchst schlechten Schutz, daß sie sich nemlich bedecken undmitten unter die Bäume verbergen.

Derohalben ist hier abermal zu sehen, wie recht der Willeund die Vernunft nach dem Fall in der Sünde sey. Denn, daß