24 Von der Versuchung.
auf Gottes Gebot gefusset und gestanden und sich auf anderevisjZutationes nicht hatte verführen lassen, ob es Gott aebotenhatte, und nachdem Gott alle Dinge um des Menschen"willengeschaffen hatte, ob denn dieser einige Baum geschaffen wäre, denMenschen zu verderben? Es scheinet wol, als sey es eine Weis-heit, nach diesen Dingen gründlich und eigentlich forschen; abersobald das Hertz anhebet solchen jöissnitationillus nachzuhangen,so ist es geschehen. Vers 6 mcrcke, wie die Sünde immer mäh-lich schleichet, und durchgegossen wird in alle Sinne. Denn wasunterlässet Heva, das zu der Sünde dienet, dieselbe größer undschwerer zu machen, nachdem sie dem Teufel wider Gottes Gebotgläubet, sie werden nicht sterben, sondern werden vielmehr ihreAugen aufgethan werden, daß sie erkennen, was gut und böseist? Es können sich ihre Augen nicht satt sehen, und hält esfür ein geringes, daß sie Gottes Erkenntniß und rechte Vernunfthat, sondern will auch noch wissen, was böse ist. Das ist eigent-lich des Teufels natürliches Gift, daß sie klüger seyn will, dennihr von Gott geboten ist. Denn diese Weisheit ist der Tod undder Weisheit Gottes im Gesetz offenbarlich feind und entgegen,die da machet, daß sie das für Gerechtigkeit halt, das Sünde ist,und für die höchste Weisheit, was die äusserste und die größteThorheit ist.
Denn dahin pfleget es der Teufel in allen Versuchungenund Anfechtungen zu bringen, daß je ferner der Mensch vomWort kömmt, je gelehrter und weiser er sich düncken läßt.
Und dieses zeiget hier auch an des Satans List. Denn mitder Lieblichkeit des Apffels bringet er Hevam nicht erst zu sündi-gen, sondern greiffet die höchste Tugend des Menschen an, nem-lich den Glauben an das Wort. Darum ist der Unglaube undAbwendung von Gott die Wurtzel und Ursprung aller Sünden,wie wiederum der Ursprung und Wurtzel der Gerechtigkeit ist derGlaube. Und führet der Satan erstlich ab vom Glauben aufden Unglauben (wie hier zu sehen ist). Da er es mit Heva da-hin gebracht hatte, daß sie dem Gebot, von Gott gegeben, nichtmehr gläubete, hatte er sie darnach leicht zu bereden, daß sie denBaum antastete, den Apffel davon brach und aß; denn der äußer-liche Ungehorsam folget der Sünde, die im Hertzen vollbrachtund begangen wird. Und also soll man der Sünden Beschaffen-heit betrachten nach ihrer rechten Größe und Schwere, darinnenwir alle verloren seyn. Nun folget, wie die Sünde offenbaretwird mit ihrer Strafe.