Druckschrift 
2 (1827)
Entstehung
Seite
18
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18 Von der Versuchung.

der Wille gut und die Vernunft rechtschaffen gewesen ist; darzuist auch der Leib des Menschen voll der höchsten Ehre und Herr-lichkeit gewesen. Wenn wir nun solcher Gaben Verlust undBeraubung dargegen betrachten, so können wir etlichermaassennachdencken und verstehen, was für ein Schade und Jammerdie Erbsünde sey.

Darum geben die zu vielem großen Jrrthum Ursach, sodiesen greulichen Schaden noch extenuiren und gering machen,und reden von der verderbten Natur philosophischer Weise, alssey sie nicht verderbt. Wie sie denn sagen, daß die natürlichenKräfte nicht allein in des Menschen Natur, sondern auch imTeufel gantz geblieben seyn. Das ist aber öffentlich falsch. Dennwas und wie wenig davon geblieben sey, können wir etlicher-maassen sehen und fühlen; wie viel wir aber davon verloren ha-ben, sehen wahrlich nicht die, so noch disputiren, daß die natürli-chen Kräfte gantz geblieben seyn. Denn der Wille, so da gutund rechtschaffen seyn sollte, und Gott gefallen, Gott gehorsamseyn, Gott vertrauen und der Creatur recht und mit Dancksagunggebrauchen, ist verloren, also, daß unser Wille aus Gott einenTeufel macht, scheuet sich und erschrickt, wenn man er mit GottesGericht gedrückt wird. Heißen aber das gantze natürliche Kräfte?

Nun bedencke aber andere geringere Dinge, so da weit un-ter Gott seyn. Der Ehestand, oder Zusammenfügung Mannesund Weibes, ist von Gott geordnet. Aber wie schrecklich ist sienun nach der Sünde? Welche Unsi'nnigkeit und Brunst stecketim Fleisch? Darum auch diese Zusammenfügung nun nach derSünde nicht mehr gebürlich, als ein Werck Gottes, öffentlich ge-schiehst, sondern auch eheliche Leute fliehen das Licht und verber-gen sich. Also haben wir ja noch den Leib; aber, lieber Gott,wie elend und in viele Wege verletzet und verderbet? Wir ha-ben auch den Willen und Vernunft noch, aber wie auf mancher-ley Weise ist sie zerrüttet, verrücket und geschwächet? Denn gleichwie die Vernunft mit großer und mancherley Unwissenheit ver-dunckelt und gedämpffet ist, also ist auch der Wille nicht alleinzerrüttet und zerstöret, sondern von Gott gar abgewandt, istGott feind, und eilet mit Lust zum Argen, da er doch das Wi-derspiel thun sollte.

Darum sollte man nicht so sicher solche vielfältige Verder-bung der Natur glimpfflich oder klein, sondern groß machen;nemlich, daß der Mensch von Gottes Bild, von Gottes und allerandern Ereaturen Erkenntnis, von der allerehrlichsten Blösse, in

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