12 Vom Baum des Erkenntnisses.
Ansehen der Väter, welche die Historien fahren lassen und suchenAllegorien.
Das ist aber noch wunderlicher, was hier gesaget wird vomBaum des Erkenntnisses des Guten und Bösen. Denn hierwird gefraget: Was es für ein Baum gewesen, und warum eralso genennet sey? Was auch geschehen wäre, wo dieser Baumim Paradies nicht gewesen wäre?
Augustinus und die andern, so ihm nachfolgen, sagen recht,daß er also genennet sey von zukünftiger Wirckung. DennAdam war also geschaffen, daß wo er irgend einen Mangel oderBeschwerung in der Natur gefühlet hatte, sollte er darwiderHülfe und Rath haben am Baum des Lebens, welcher ihm seineStarcke und vollkommene Gesundheit zu aller Zeit erhalten sollte.Darum wäre er also gantz und gar ertruncken in der Gütigkettseines Schöpffers, wo er in Unschuld geblieben wäre. Er hatteGott seinen Schöpffer erkannt und nach seinem Gefallen dieThiere regieret, ohne alle Mühe und Beschwerung, ja mit derhöchsten Lust. Denn alles war dermaassen geschaffen und zuge-richtet, daß es dem Menschen nichts schaden, sondern ihn aufdas höchste belustigen konnte.
Nachdem derohalben Adam also geschaffen war, daß er fürFreude gegen Gottgleichsam truncken war, hatte auch seine Lust undFreude in den andern Ereaturen, so wird nun geschaffen einneuer Baum, zu unterscheiden das Gute und Böse, auf daßAdam ein gewiß Zeichen hatte des Dienstes und Ehre gegenGott. Denn nachdem ihm alle Dinge übergeben waren, daß erderselben seines Gefallens, entweder zur Nothdurft oder Lust,gebrauchen möchte, so fordert endlich Gott von ihm, daß er andiesem Baum des Erkenntnisses des Guten und Bösen Reve-rentz und Gehorsam gegen Gott beweisen, und also gleichsameine Uebung des Gottesdienstes haben und davon nicht essen sollte.
Was derohalben bisher von Mose ist gesaget worden, dasgehöret entweder in die Natur- oder Haus- und Welt-Regiment,Juristerey oder Artzeney. Das aber gehört in die Theologie,daß allhier Adam vorgeleget wird ein Wort und Gebot von die-sem Baum, daran er auch, dem natürlichen Leben und Wesennach, ein äußerlich Zeichen, Gott zu dienen und äußerlichen Ge-horsam zu leisten, haben sollte; wie denn der Sabbath, davonwir oben gesagt haben, auch fürnemlich gehöret zur Bemessungder innerlichen, geistlichen Gottesdienste, zum Glauben, Liebe,Anrufung, u. s. w.