Druckschrift 
2 (1827)
Entstehung
Seite
13
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Vom Baum des Erkenntnisses. 1Z

Aber diese zum allerbesten vorgenommene Weise des äusser-lichen Gehorsams ist, leider! zum allerübelsten gerathen, wie wirnoch heute sehen, daß das Wort, über welches nichts heiligeresnoch besseres ist, den Gottlosen ein Aergerniß ist.

So gehöret nun dieser Text eigentlich in die Kirche oderTheologie. Denn, nachdem Gott dem Menschen Policey undHaus-Regiment gegeben hat, und ihn gesetzet zum König undRegenten derer Creaturen, hat ihm auch Hülfe und Rath gege-ben, dieses zeitliche Leben zu erhalten, nemlich den Baum desLebens.- so bauet er ihm nun gleichsam eine Kirche, daß er Gottdienen und dancken soll, der ihm solches so gütig gegeben hat.In unseren Kirchen haben wir einen Altar, darauf wir das Sa-crament austheilen, wir haben auch Predigt-Stühle, oder Ean-tzeln, davon wir das Volck lehren; solches alles haben wir nichtallein von Nothdurft wegen, sondern auch um der Solennitatund Kirchen-Zierde willen. Adams Altar aber und Predigt-Stuhl ist gewesen dieser Baum des Erkenntnisses des Guten undBösen, an welchem er Gott Pflichtigen Gehorsam leisten, GottesWort und Willen erkennen und ihm dancken sollte, ja, dabey erauch Gott wider die Anfechtung anrufen sollte.

Die Vernunft ist wol unwillig darauf, daß dieser Baumgeschassen ist, weil wir daran gesündiget haben, und in GottesZorn und den Tod gefallen seyn. Warum ist sie aber nicht glei-cher Weise auch darauf unwillig, daß uns von Gott das Gesetzgegeben und hernach durch seinen Sohn das Evangelium geof-fenbaret ist? Denn, seyn nicht daraus unzähliche Aergernisse,Jrrthümer und Ketzereyen erfolget? Darum sollen wir lernen,daß es dem Menschen, nachdem er also geschaffen war, vonnö-then gewesen ist, daß er alle andere lebende Creaturen in seinerHand und Gewalt hatte, seinen Schöpffer erkennete und ihmdanckete, item, daß er einen äußerlichen Gottesdienst und ein ge-wiß Werck des Gehorsams Hatte. Und so Adam nicht gefallenwäre, so wäre dieser Baum gleichwie ein gemeiner Tempel undHaupt-Kirche gewesen, darzu sich das Volck versammelt hätte, wiehernach in der verderbten Natur ein gewisser Ort zum Gottes-dienst verordnet worden ist, nemlich das Tabernackel und Jeru-salem. Weil aber nun der Baum zu wissen Gutes und Bösesso einen schrecklichen Fall verursachet hat, wird er von Moserecht genennet der Baum des Erkenntnisses Gutes und Böses,darum, daß er zu einer unseligen und erbärmlichen Geschichte ge-rathen ist.