IlZ Vom Baum des Erkenntnisses.
Gottes Wort und Erkenntniß haben müssen. Denn biß zeitlicheund jetzige Leben ist ein natürlich Leben, welches auch haben alleunvernünftigen Thiers, die Gott nicht kennen.
Solches alles bedeutet der Sabbath oder Ruhe Gottes, dar-innen Gott mit uns durch sein Wort redet und wir wiederummit ihm reden, durch das Gebet und Glauben. UnvernünftigeThiers, als Hunde, Pferde, Schafe, Ochsen, u. f. w. lernen auchzwar des Menschen Stimme kennen und verstehen, werden auchvon Menschen erzogen und erhalten; aber unser Stand ist weitbesser, die wir Gott hören, wissen seinen Willen und werden be-rufen zu gewisser Hoffnung eines unsterblichen ewigen Lebens,wie da zeugen die hellen und klaren Verheißungen vom ewigenLeben, welche uns Gott nach diesen dunckelen Deutungen (alsdiese ist von der Ruhe Gottes und Heiligung des Sabbathes,)durch sein Wort hat offenbaret, wiewol diese Deutung vom Sab-bath klar genugsam ist.
Daß derohalben Gott sein Wort giebet und gebeut, daßman es lehren, üben und treiben soll; item daß er gebeut denSabbath zu heiligen, und Heisset ihm dienen, solches alles zeigetan, daß nach diesem Leben ein anderes sey, und der Menschnicht allein zu einem zeitlichen und natürlichen Leben, wie dieunvernünftigen Thiere, geschaffen ist, sondern zu einem andern,das da ewig ist, wie Gott, der dieses gebeut und ordnet, ewig ist.
Vom Baum des Erkenntnisses.
1 B. Mos. 2, 9.
«Aier wird abermal der Mensch von den unvernünftigen Thierenunterschieden, nicht allein des Ortes halben, sondern auch mitBegnadung und sonderlicher Freyheit eines längeren Lebens, unddaß er immer in einem Stand und Gestalt bleiben sollte. Dennda der andern Thiere Leiber allein in der Jugend zunehmen undstarcker seyn, im Alter aber schwach werden und dahin fallen,hätte es um den Menschen viel eine andere Gelegenheit gehabt.Er hätte gegessen und getruncken, es hätte sich auch Speise undTranck im Leibe verändert, aber nicht so unfläthig, als jetzund;sondern dieser Baum des Lebens hätte den Menschen bey steter