Bon der Stiftung des Sabbaths. 3
sollen nicht zu meiner Ruhe eingehen. Denn GottesRuhe ist ewig. Und hätte Adam bis auf eine gewisse Zeit imParadies gelebet nach Gottes Gefallen, darnach wäre er hinauf-genommen worden zu der Ruhe Gottes, welche Gott durch dieHeiligung des Sabbathes den Menschen nicht allein anzeigenwollen, sondern auch rühmen und preisen. Also wäre es beydesgeschehen: dieses zeitliche oder natürliche Leben wäre selig undheilig gewesen, wie auch geistlich und ewig. Nun aber habendafür wir arme Menschen auch dieses beydes. Die Seligkeitund Wohlfahrt des natürlichen Lebens haben wir um der Sündewillen verloren und, so lange wir leben, seyn wir mitten im Tod;u>!- und doch gleichwol, weil der Kirche das Gebot vom Sabbath ge-lassen wird, ist angezeiget, daß uns das geistliche und ewige Le-ben durch Christum soll wieder erstattet und gegeben werden.Wie denn die Propheten solche Sprüche, darinnen Moses heim-lich und verdeckt weiset auf die Auferstehung des Fleisches undewiges Leben, fleißig erwogen haben.
Darnach wird hier angezeiget, daß der Mensch färnemlichzu Gottes Erkenntniß und Gottesdienst geschaffen ist. Dennder Sabbath ist nicht um der Schafe und Kühe willen, sondernum des Menschen willen geordnet, daß in ihm Gottes Erkennt-niß sollte geübet werden und zunehmen. Und ob nun wol derMensch Gottes Erkenntniß durch die Sünde verloren hat, so hatdoch Gott das Gebot vom Sabbath zu heiligen wollen bleiben lassenund hat gewollt, daß man am siebenten Tage sein Wort undGottesdienst, von ihm geordnet, üben und treiben sollte, auf daßwir Menschen erstlich bedächten, was färnemlich unser Berufund Stand wäre, nemlich, daß unsere Natur dazu geschaffenwäre, daß wir Gott erkennen und preisen sollten.
Zum andern, daß wir in unfern Herzen behielten eine ge-wisse Hoffnung des zukünftigen und ewigen Lebens. Denn dieDinge alle, so Gott gewollt hat, daß man am Sabbath handelnund thun sollte, sind gewisse und klare Zeichen und Zeugnisse ei-nes anderen Lebens nach diesem. Und was wäre es vonnö-then, daß Gott durch sein Wort mit uns redete, so wir nicht inein künftiges und ewiges Leben gehöreten? Denn so ein künf-tiges Leben nicht zu hoffen ist, warum leben wir nicht als die,mit denen Gott nicht redet, und die Gort nicht erkennen? Aberweil die göttliche Majestät mit dem Menschen allein redet, under allein Gott erkennet und ergreiffet, so folget nothwendig, daßnach diesem Leben ein anderes sey, welches zu erlangen wir