Tag warcn leidlich. Der König hatte nntcrdcß den Gchci-menrath Heim wieder hingeschickt und den General-Chi-rurgus Görickc. Der Mittwoch verging unter abwech-selnden Brustkrampfcn. Alles wurde angewandt, um ih-nen zuvorzukommen. Die Königin seufzte zuweilen undsagte: Lust — Luft! — Sie hatte ein heftiges Fieberund verlangte häufig zu trinken. Als man sie leise fragte:ob sie Schmerzen habe, so sagte sie: „Ach nein! aberso ein Aufhören des Scyns." — Nach zwei Uhr ließ sieden Gchcimenrath Heim rufen und verlangte von ihmHülfe für ihre Beklemmung. Es war in dieser Stunde,wo sie ihm sagte: „Aber bedenken Sie, wenn ich demKönige und meinen Kindern stürbe."
Es war den 19. Juli Morgens nach vier Uhr, aneinem trüben regnigtcn Tage, als der König kam. Die-ser, der schon durch die Acrzte die Gewißheit des nahenTodes der Königin erhalten hatte, schien wie zermalmtvon Schmerz. Alles was er bis dahin vom Schicksalhatte erdulden müssen, lag weit hinter ihm und war inkeinem Vergleiche mit dem Schmerze der Gegenwart.
Es stellten sich abwechselnd Brustkrampfc ein, dochwurhen der Leidenden auch noch einige Augenblicke derRuhe. Der König blieb ganz allein bei ihr, seine Blickewarcn geheftet auf die sterbende Gemahlin. Die Todes-stunde nahte. Ein heftiger Brustkrampf begann. DerKönig öffnete die Thür und rief die Acrzte. — Es wur-den noch einige Mittel angewendet, allein die Krämpfevermehrten sich. Einer von den Aerztcn rieth der Köni-gin, die Arme von der Brust zu entfernen und geradeauszustrecken, es würde helfen. Da sagte die Königinmit sanfter aber fester Stimme: „Ach mir Hilst nichtsmehr, als der Tod!"