298 Heinrich Laubes Grabrede.
ich's nicht mehr. Ich steckte schon zu tief im Theaterwesen. Und doch mutz manHeine gekannt haben, um ihn zu schildern. Er war im Grunde genommen eineinfach guter Mensch, ja er hatte geradewegs ein philisterhaft gutes Herz — abereinen bösen Mund. Und wie böse! Er konnte über seine Frau, seine Brüder,seine Freunde die grausamsten Witze machen, aber er konnte ihnen keine Gefällig-
Heinrich Laube.
Gezeichnet von I. Grichuber 1S48.
keit, keinen Wunsch abschlagen. Gegen mich war er immer ausnehmend gut. Ichkann's noch heute nicht verstehen, warum, denn ich habe wenig dazu gethan,- ja,ich mutz gestehen, datz ich gerade Heines Güte gegenüber jahrelang sehr mißtrauischund zurückhaltend geblieben bin. Er war mir aber gewogen und überhäufte michzeitlebens mit Beweisen seiner Güte. Durch ihn habe ich Paris und die Franzosenkennen gelernt. Er führte mich zu Thiers, Mignet, Lamartine, George Sand,Beranger, Eugen Sue. Sie können sich heute kaum vorstellen, wie angesehen er