Heinrich Laube, 299
bei den Franzosen war. Eine Karte von Monsieur Heine öffnete jeden Salonin Paris. Und ich musz sagen, das; er in Gegenwart von Franzosen Deutschlandimmer sehr hoch stellte. Er machte keinen Witz und duldete keinen Angriff. Gingenwir aber aus einer französischen Gesellschaft weg, dann lies; er seinem Witz dieZügel schießen, dann kamen Jahn, Venedep, Maßmann und die ganze Galeriean die Reihe. Es wäre ja undankbar, sagte er, wenn ich diese armen Leute ver-lassen sollte, nachdem sie mir so lange gedient. Wer spräche dann noch von ihnen!1847 sah ich Heine zum letztenmale. Ich war erschrocken über sein Aussehen,der Tod saß ihm auf dem Gesicht, sein Geist aber war unverändert und seinNaturell unberührt. Damals mußte ich mit ihm sein Testament machen und ihmversprechen, seine Schriften nach dem Tode herauszugeben. Als ich mich von ihmverabschiedete - Alfred Meißner war dabei — weinte er wie ein Kind. Ichwerde es nie vergessen. Später kam es allerdings anders. Mein Buch über dasFrankfurter Parlament mißfiel ihm und er schrieb mir darüber einen heftigenBrief, in dem er mich fast wie einen Verräter an der Freiheit behandelte. Dasließ ich mir nicht gefallen und antwortete ihm, daß, wer in einem Glashause sitze,nicht mit Steinen werfen dürfe. Dann kamen Klatschereien, Mißverständnisse unddergleichen. 1851 wandte er sich an mich, ich sollte ihm die Tantiemen desBallets »Satanella« verschaffen, da dies eigentlich sein »Doktor Faust« sei. Ichgab mir Mühe, umsonst. Natürlich. »Satanella« war eben nicht sein »DoktorFaust«. Auch später ließ er mir wiederholt durch seinen Bruder Gustav Botschaftund Grüße, hie und da einen mit Bleistift mühsam geschriebenen Zettel ingleichwohl sehr großen und deutlichen Schriftzügen zukommen. Noch vierzehnTage vor seinem Tode schrieb er an mich im Interesse der Tochter seines Arztes,die zum Theater gehen und in Wien auftreten wollte. Leider sind die meistenseiner Briefe, die ich sorgfältig aufgehoben, bei einem Brande in meiner früherenWohnung verloren gegangen. Was ich davon behalten, habe ich zur Zeit Strodt-mann für seine Ausgabe überlassen."
Das war die erste Mitteilung, die mir Laube über Heine machte. Ich habeschon oben erwähnt, daß dieser im Laufe der Jahre noch viele andere von erheb-lichem Werte mündlich und schriftlich folgten.
Geradezu vernichtend ist ein Brief, den mir Laube im Herbst 1889 über dieErinnerungen an Heine schrieb, die dessen Nichte damals hatte erscheinen lassen.Der Brief ist in seiner klassischen Derbheit gar nicht zu veröffentlichen. Auf dasThema der Biographie kam er überhaupt noch oft zurück. Ja, er hatte bereitsdie Geneigtheit ausgesprochen, alle seine Erinnerungen an Heine in einem Buchezusammenzustellen. Leider kam auch dieser Plan, wie so viele andere aus seinenletzten Lebensjahren, nicht zur Ausführung. Laubes Güte verdankte ich auch einen