Das Leichenbegängnis Heines. 297
zosen war nur, soviel ich weiß, der damals noch ziemlich jugendlich aussehendeTheophile Gautier zugegen. Ferner schweben mir nur zwei weibliche Gestaltenvor, es waren Mathilde, des unglücklichen Dichters Weib, und ihre FreundinPaulinc, die nun auch vor einem Jahre verstorben ist. Auf dem Kirchhofe angelangt,wurde der schmucklose Sarg in ein provisorisches Grabgewölbe hineingeschoben, dadas seinige noch nicht fertig war. Ich vernahm keinen Laut, sah keine Thränen,und mir sielen dabei die Worte ein:
Keine Messe wird man lesen,
Keinen Kaddosch wird man sagen;
Nichts gesagt und nichts gesungenWird an meinen Sterbetagen."
In Deutschland erregte die Trauerkunde nur geringe Teilnahme. Manstaunt darüber, wenn man die großen Zeitungen aus jenen Tagen durch-blättert, wie wenig sie von dem großen Poeten zu berichten haben. Es scheint,als ob man in Deutschland schon seit Jahren den Dichter als einen toten Mannanzusehen sich gewöhnt hatte. Selbst das Blatt, das sich mit den glänzendenSchwingen seines Geistes jahrelang geschmückt hatte, brauchte zwei volle Monate,um einen Nekrolog auf Heinrich Heine zu stände zu bringen, der übrigens nurwenig von den innigen Sympathieen merken ließ, die die früheren Leiter demDichter entgegengebracht hatten. Selbst die Freunde waren verstummt. Erst ein Jahrspäter trat Alfred Meißner auf den Plan, um für Heine Zeugnis abzulegen.
Einer von diesen Freunden hatte ihm allerdings schon zehn Jahre vorher dieGrabrede gehalten. Ich habe in diesem Buche den Namen Heinrich Laube oft zuerwähnen Veranlassung gehabt. Man weiß, daß er einer der besten, wo nichtder beste Freund Heines in guten wie in schlimmen Tagen gewesen ist. Es warmir deshalb eine aufrichtige Genugthuung, als ich vor einigen Jahren in demNachlaß eines alten Autographensammlers den Nachruf fand, den Heinrich Laubegehalten, als 1846 eine allerdings falsche Nachricht von Heines Tode sich inDeutschland verbreitet hatte. Dieser Nachruf hat selbst schon eine Geschichte. Eheich aber von dieser spreche, möchte ich einige Worte über Laube selbst sagen, demich bei meinen Arbeiten über Heine so viele nützliche Winke und wertvolle Mit-teilungen zu danken habe.
Als ich 1879 Laube in Wien persönlich kennen lernte, war bereits eine mehr-jährige Korrespondenz mit ihm über Heine vorausgegangen. Schon in der erstenUnterhaltung skizzierte er in scharfen Umrissen seine intimen Beziehungen zuHeine. In meinem Notizbuche finden sich darüber folgende Aufzeichnungen:
„Ja, Heine; Sie haben recht, ich hätte seine Biographie schreiben sollen. 1846nach der falschen Todesnachricht wollt ich's, 1856 nach dem wirklichen Tode könnt