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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
218
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218 Ferdinand Lassalle.

Es klingt dies alles recht schön und angenehm, leider aber muß ich auch dieseLegende, die sich ich weiß nicht, wieso in dem Kopfe des alten Herrnmit eiserner Zähigkeit festgesetzt hatte, von Grund aus zerstören. Ich habe nichtdas mindeste Recht, an seinem Wort zu zweifeln, wenn er behauptet, Heine dasGeld zurückgegeben zu haben! aber es findet sich hierfür leider auch nicht dergeringste Nachweis, auch nicht eine einzige Silbe in den Briefen Heines, derdagegen oft von dem Ausgleich auf 8000 Francs berichtet und nach diesem Aus-gleich von 1852 ja nur noch etwas über drei Jahre gelebt hat. Von einerWiedererstattungnach vielen Jahren" kann also ohnehin nicht die Rede sein,und, wie ich höre, waren bis zu Anfang 1856, also bis zum Tode Heines, dieVerhältnisse der Prager Gasanstalt und jener Firma keineswegs so glänzend, daßsie ohne weiteres eine Schuld von 20000 Francs ohne gerichtliche Nötigung hätteabtragen können. Die so positiv ausgesprochene Behauptung, daß Heine 1849oder 1850 in Prag gewesen sei, zerfällt für jeden, der Heines Leben kennt, in sichselbst. Im Jahre 1850 war Heine ein gebrochener Mann, der bereits auf derMatratzengruft ruhte, der sich selbst nicht mehr bewegen konnte und dessen weitesteReise damals von Paris nach Passy war.Im Wonnemond des vorigen Jahresmußte ich mich zu Bette legen, und ich bin seitdem nicht wieder aufgestanden",schreibt er selbst in seiner Erklärung an die deutschen Blätter vom 16. April 1849.In Deutschland ist Heine seit 1845, in Prag überhaupt nie gewesen, und damit fälltauch diese zweite Legende zusammen, die nach meiner Ueberzeugung nur durch eineVerwechselung entstanden sein kann. Im Herbst 1851 war Gustav Heine, damalsHerausgeber des WienerFremdenblattes", in Paris bei seinem Bruder Heinrich undversprach ihm, auf der Rückreise nach Wien sich in Prag aufzuhalten und einen Aus-gleich mit Friedland herbeizuführen. Dies hat Gustav, der seinem Bruder 5000 Francsauf den Wechsel Friedlands vorstreckte, auch gethan! und daher rührt, trotz dergegenteiligen Versicherung des Herrn v. St., die Verwechselung der beiden Brüder.

Mit Friedland, der übrigens in den letzten Jahren von seiner Frau getrenntlebte, hatte Heine später nur wenige Beziehungen. Hie und da schrieb er ihmwohl noch einen Brief,- der letzte schließt, wie mir Alfred Meißner versicherte, mitden Worten!Eilen Sie, eilen Sie, lieber Calmonius, damit ich Sienoch einmal lügen höre!" Nach dem Tode des Dichters drängte sich Fried-land an die dicke Mathilde und schwatzte ihr eine Reihe von Dokumenten, Briefenund Gedichten aus dem Nachlasse ab, die er dann der französischen und späterder österreichischen Regierung angeboten oder vielleicht auch verkauft hat. An seinenwerten Namen knüpft sich auch die ganze Legende der nur noch hie und da imGehirn phantastischer Köpfe spukenden Memoiren Heinrich Heines, die sich imArchiv des österreichischen Kriegsministeriums befinden sollen.