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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
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217
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Börsengeschäfte. Heine in Prag. 217

zum erstenmale nach Paris kam, als Heine alle politische Berichterstattung fürDeutschland längst aufgegeben hatte; ein zweiter Irrtum desselben Schriftstellersist, wenn er sagt, daß die Briefe, die Heine an den Prager Advokaten vr. Pinkasin Sachen Friedlands und Lassalles geschrieben, die voll kaustischen Humorsgewesen sein sollen und damals in allen litterarischen' Kreisen Prags zirku-lierten, sich in den Händen des Geheimrats Professor Anton Springer in Bonn,eines Schwiegersohnes von vi. Pinkas, befunden hätten. Auf meine Anfrage hatProfessor vi-. Anton Springer, der bekannte Kunsthistoriker, noch kurz vor seinemTode (1890) mir erwidert, daß sich von einem Briefwechsel Heines mit seinemSchwiegervater auch nicht die geringste Spur vorgefunden habe. Es scheint mirnicht unwahrscheinlich, daß sich Friedland nur gegen Herausgabe dieser ihn kompromit-tierenden Briefe zur Zahlung der obengenannten kleinen Entschädigung entschlossenhabe. Ein dritter Irrtum des Herrn Julius Walter ist der, daß Heine in einemoft zitierten, für Friedland nicht schmeichelhaften und gegen seine Gattin indiskretenGedicht der Welt sein Leid geklagt habe". Ein solches Gedicht existiert nicht,und damit fällt die ganze Sache in sich zusammen.

Aber noch ein anderes Gerücht ist aus diesem Anlaß entschieden zu widerlegen.Ich muß dabei ein persönliches Erlebnis mitteilen. Als ich im Winter 1888 in derConcordia" zu Prag einen Vortrag über Heinrich Heine halten sollte, wurde mir schonam frühen Morgen des betreffenden Tages bei meiner Ankunft im Hotel ein großerSchreibebries überreicht, in dem ein liebenswürdiger junger Schriftsteller im Austrageines älteren Herrn mir über den Ausenthalt Heinrich Heines in Prag imJahre 1849 oder 1850 sehr eingehende Mitteilungen machte und sich zugleich erbot,in einer persönlichen Unterredung diese Mitteilungen ausführlich zu ergänzen und zubeweisen. So unwahrscheinlich mir das Ganze klang, so ging ich doch gern aus diesenVorschlag ein; er kam, wie sich später herausstellte, von dem früheren KompagnonFriedlands, einem Herrn v. St., einem braven alten Herrn, der die Gasanstaltnachher gekauft und unter gemeinsamer Firma weitergeführt hatte. Nach seinenMitteilungen hätte nun diese Firma die Summe von 20000 Francs nach vielenJahren an Heine zurückgezahlt, und zwar habe er selber, ohne geschäftlich oderpersönlich hierzu verpflichtet gewesen zu sein, die Hälfte des Betrages, 10000 Francs,in generöser Weise beigetragen. Ganz genau aber erinnere sich der alte Herr, daßHeinrich Heine im Jahre 1849 oder 1850 wenigstens eine Woche in Prag gewesenund bei Friedland, Ufergasse Nr. 18, gewohnt habe. Im Garten der Gasanstalthabe er tagelang gesessen und alle Freunde um sich versammelt. Etwa zwei Tagenach seiner Ankunft sei auch Ferdinand Lassalle angekommen, und damals sei derAusgleich zwischen Heine und Friedland und die Versöhnung zwischen Heine undLassalle in der lustigsten Weise beim schäumenden Champagner gefeiert worden.