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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
216
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216 Ferdinand Lassalle.

Glücklicherweise hat er es nicht gethan. Als die Gesellschaft liquidierte, gingihr Besitz an Friedland und seinen Prager Kompagnon über. Die Besitzer derAktien sollten nun durch successioe Barzahlungen bis zu einer bestimmten Höhebefriedigt werden. Heine erhielt etwa 8000 Francs. Wie er an Alfred Meißnerschreibt, hat er es durch seine Besonnenheit und Langmut dahin gebracht, diesennotdürftigen Ersatz für die großen Summen, die er durch Friedland eingebüßt,zu erhalten.Ich war überzeugt, daß, wenn er zu Kräften käme, er alles thunwürde, um mich zufrieden zu stellen."

Heine scheint überhaupt wenig Glück mit den wiederholten Versuchen, seinematerielle Lage durch allerlei Spekulationsversuche zu verbessern, die an die kauf-männische Lehrzeit erinnern, gehabt zu haben. Einer seiner Freunde erzählte ausjener Zeit die folgende, bisher wohl nicht bekannte Anekdote:Ich sehe ihn noch,wie er mir am Abend jenes Unglückstages in der Passage de l'Opera begegneteund auf meine Frage, ob er auch etwas verloren habe, antwortete: »Etwas?Sehr viel. Aber mir geschieht ganz recht, und der Rabbi von Prag hat auch ganzrecht gehabt.« »Wieso?« fragte der Freund erstaunt. - »Sehen Sie,« erwiderteHeine, »das ist eine alte Geschichte, die mir schon in meiner Jugendzeit erzähltworden ist und die mir heute wieder einfällt. Der alte Rabbi geht in Prag überdie Moldaubrücke, da stürzt ihm eine alte Jüdin entgegen und schreit: »Gott überdie Welt! Gott über die Welt! Rabbileben, helft! Das Unglück!« ^ »Was fürein Unglück?« fragte der Rabbi. - »Mein Sohn hat sich gebrochen ein Bein!« »Wieso hat er sich gebrochen ein Bein?« »Weil er ist gestiegen auf eineLeiter und hat wollen ....« »Was?« unterbrach sie der Rabbi, »auf eineLeiter ist er gestiegen? Recht ist ihm geschehen! Was hat ein Jud' zu steigenauf eine Leiter?« »Sehen Sie,« schloß Heine seine Erzählung wehmütiglächelnd, »gerade so geht es auch mir. Was hat ein Dichter zu thunauf der Börse?«" '

Natürlich erregte der Streit zwischen Heine und Friedland, dem ersterer selbst einegroße Publizität verschaffte, damals großes Aufsehen. Die Freunde von Heine,Lassalle und Friedland waren in zwei große Lager gespalten, die eifrig gegen-einander Partei nahmen. Als Bodensatz dieser Streitigkeiten hat sich eine Anzahlvon Gerüchten erhalten, die mit großer Hartnäckigkeit bis auf den heutigen Tagmündlich und schriftlich eifrig weiter kolportiert werden. Ich habe mich bemüht,zweien derselben auf den Grund zu gehen; sie haben sich als völlig falsch unddurchaus grundlos herausgestellt.

So berichtet Julius Walter in seinem Buche:Querfeldein", daß FerdinandFriedland nicht ohne Einfluß auf Heinrich Heines Pariser Briefe in derAugs-burger Allgemeinen Zeitung" gewesen sei. Dies ist ein Irrtum, da Friedland