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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
215
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Die Prager Gasgesellschaft. 215

Der Schluß des Briefes lautet gleichwohl versöhnend: Von Ihrem Sohne habe ichkeine Nachricht und bin sehr begierig, etwas von ihm zu erfahren. Ich möchtesein Gesicht sehen, wenn ihm zu Ohren kommt, daß ich, aller atheistischen Philo-sophie satt, wieder zu dem demütigen Gottesglauben des gemeinen Mannes zurück-gekehrt bin. Es ist in der That wahr, was das Gerücht, obgleich mit Ueber-treibung, von mir verbreitet hat. Hat Ferdinand noch etwas innere Geistesruhe,so dürfte auch bei ihm diese Nachricht ein heilsames Nachdenken hervorbringen".Heine hatte sich hierin allerdings getäuscht; Ferdinand Lassalle war damals, inseiner wildesten Sturm- und Drangperiode, wenig geneigt, über die große Gottes-srage nachzudenken, zu einer Zeit, wo ihn ausschließlich der Prozeß wegen desKassettendiebstahls für die Gräfin Hatzfeld beschäftigte. Auch in der Sache zwischenHeine und Friedland konnte oder wollte er keinen Ausgleich treffen, und so kames auch zu keiner Versöhnung zwischen den beiden ehemaligen Freunden undWaffenbrüdern.

Dazu trat noch ein anderer Umstand. Heine hatte Lassalle in seinem Kampfefür die Gräsin Hatzfeld im Stich gelassen, ebenso wie dieser ihn vorher in demFederkrieg gegen Karl Heine nicht genügend unterstützt hatte. In seinen Briefen anHeine enthüllte Lassalle schon 1847 einen Plan, den Gatten der Gräsin durchdie deutsche, französische und englische Presse zu Grunde zu richten. Er stellte inseinem Eifer sogar Heine diesen Prozeß als in die Hegelsche Philosophie ein-schlagend dar, als einen politischen Tendenzprozeß. Dafür vermochte sich aber Heinenicht zu erwärmen. Und Lassalle war verblendet genug, später dieses SchweigenHeines auf unlautere Motive zurückzuführen, indem er an eine Freundin schrieb:Bei dieser Gelegenheit ließ mich Heine im Stich, und zwar deshalb, weil dieBaronin Meyendorsf die Freundin der anderen russischen Spionin, der FürstinLieven, und diese wieder die spezielle Freundin von Guizot war, von dem Heineeine Pension bezog. Aber wenn er mir fehlte, so unterstützten mich andere".

Friedland kam später zu ansehnlichem Vermögen; es ist unbegreiflich, daß erHeine dessen Verluste nicht auf Heller und Pfennig ausbezahlte. Freilich hattedieser nichts Geringeres verlangt, als daß Friedland, der selbst sein ganzes Ver-mögen zugesetzt hatte, ihm die Aktien zum Nennwerte abnehme. Erst dessen Sach-walter, der Advokat vi-. Pinkas in Prag, der ein eifriger Verehrer des Dichterswar, brachte einen Vergleich zu stände. Heine wollte gegen Friedland und Genossen(die Räuber in den böhmischen Wäldern") einen Prozeß anstrengen, und Pinkaswar bereit, die Vertretung Heines ohne jeden Entgelt aus Verehrung für denDichter zu übernehmen. Doch erwies sich dessen vermeintlicher Rechtsanspruch alsjuristisch nicht haltbar. Heine wollte nun hauptsächlich aus Betreiben Meißnersseinem Calmonius auf andere Weise beikommen.