214 Ferdinand Lassalle.
Schivager nicht auftreten. Kurzum, es kam zum Bruch zwischen Heine und Lassalle.Es ist dies bis jetzt noch nicht bekannt geworden, aber ich habe authentische Beweisedafür, außer den noch im Manuskript vorhandenen Briefen, insbesondere dasZeugnis eines ehemaligen Breslauer Arztes, Sanitätsrat vi-. Skutsch, der ein Ver-wandter von Friedland, ein Universitätskollege von Lassalle und ein guter Bekanntervon Heine während seines Pariser Aufenthalts im Jahre 1847 war. Ich zitieredie Worte dieses durchaus zuverlässigen Vertrauensmannes: „Aus welcher Quelleder Reichtum Friedlands floß, ist mir nie klar geworden, wohl aber mutzsie Heine bekannt gewesen sein, und er mutz sie nicht für eine ganz krystallhellegehalten haben; wenigstens deutete seine Entrüstung darauf hin, als ich ihm einesTages Grütze von Friedland aus Prag brachte, der Entrepreneur der dortigenGasbeleuchtung war und zugleich eine Aktiengesellschaft »Iris« in Paris vertrat,bei der Heine jenes Geld angelegt hatte. Als ich im Sommer 1848 in Pariswar und meine Grütze überbrachte, prosperierte das Unternehmen gar nicht; dieSache wollte sozusagen nicht in Gang kommen, und Heine fürchtete, sein Geld,das letzte, was er, wie er mir mitteilte, besessen, durch Friedland zu verlieren.»Wehe Friedland, wenn ich mein Geld durch ihn verliere! Ein Pfiff von mir,und Friedland kann sich in Deutschland nicht mehr sehen lassen. Ich nehme dieFeder zur Hand und schreibe — und Sie wissen, ich habe eine spitze Feder.«Das waren die Worte Heines. Doch das Zartgefühl verbietet mir, alle AeutzerungenHeines zu wiederholen, die er an jenem Tage über Friedland und auch überFerdinand Lassalle aussprach; denn auch zu diesem mutz das Verhältnis ein ganzverändertes geworden sein; wahrscheinlich weil Lassalle nicht, wie er gewünscht, fürihn in die Schranken getreten war. »Denken Sie sich«, sagte mir Heine, als ereines Tages auf Lassalle zu sprechen kam, »einer seiner Verwandten hatte dieUnverschämtheit, mir zu sagen, ich hätte ihn nach Berlin empfohlen, weil in ihmder neue Erlöser erschienen sei. Wehe über die Erlösten!« Wer dieser Ver-wandte gewesen — ich weitz es nicht und forschte nicht weiter darnach; ich habeauch nie erfahren können, ob Lassalle und seine Schwester nach jener Zeit mitHeine noch in Berührung gekommen sind".
So weit die Worte meines Gewährsmannes, die ich durch folgende Mitteilungenvon anderer, nicht minder zuverlässiger Seite ergänzen kann. Es existiert in meinerHeine-Ausgabe ein Brief von Heine an den Vater Ferdinand Lassalles vom30. April 1850; doch ist von diesem Briefe nur der Schluß mitgeteilt, die größereHälfte fehlt. Alfred Meißner aber, dem Heine eine Kopie dieses Briefes imWortlaut mitteilte, erzählte mir, daß die fehlende größere Hälfte sich ausschließlichauf den Konflikt mit Friedland bezog, und daß Heine sich darin in sehr bittererWeise über die Kälte und Gleichgültigkeit Ferdinand Lassalles ihm gegenüber beklagte.