174 Chamisso und die Schwaben.
in Deutschland proklamiert hatte, trafen beide oft zusammen. Als Chamisso 1824mit einigen Freunden die „Mittwochgesellschaft" begründete, war Heine „glücklicher-weise" nicht mehr in Berlin. Ich sage „glücklicherweise", da ich keinen Augenblickdaran zweifle, daß die in dieser Gesellschaft später ausgebrochenen Konflikte Cha-misso und Heine entzweit hätten. Nur selten kommt der junge Dichter in seinenBriefen und Schriften auf Chamisso zu sprechen,- so oft dies aber der Fall ist,geschieht es in freundschaftlicher und liebenswürdiger Weise. Kein Zweifel, Heinehegte herzliche Sympathie für Chamisso, und es ist kaum anzunehmen, das;
diese Sympathie von feiten des Letztern nicht in vollem Maße geteilt wordensei. Schon in der „Harzreise" nimmt Heine die Gelegenheit wahr, Chamissosfreundlich zu gedenken. Er erzählt dort von seiner Begegnung mit dem altenHofrat Bouterweck in der „Krone" zu Klausthal und fährt dann fori: „Als ichmich ins Fremdenbuch einschrieb und im Monat Juli blätterte, fand ich auch denvielteuren Namen Adelbert von Chamisso, den Biographen des unsterblichen Schle-mihl. Der Will erzählte mir, dieser Herr sei bei unbeschreiblich schlechtem Wetterangekommen und in einem ebenso schlechten Wetter wieder abgereist".
Man hat oft behauptet, daß Heine, um einen Witz zu machen, keinen Anstandnehme, die wichtigsten sowie die kleinsten Thatsachen zu entstellen oder zu verdrehen.Dem gegenüber ist es von Wert, von Zeit zu Zeit einen Blick in HeinesDichterwerkstatt zu werfen und durch zufällig noch erhaltene gleichzeitige Zeugnisse
Adelbert von Chamisso.