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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
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175
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Chamisjo. 175

die Wahrhaftigkeit zu konstatieren, deren sich der Dichter selbst bei unwesentlichenAngaben befleißigte. Wohl jeder, der dieHarzreise" bis heute gelesen, hat dieBemerkung über das schlechte Wetter in Verbindung mit der Reise Chamissos füreinen Witz auf dessen Schlemihltum gehalten. Da finden wir zufällig in derBiographie Chamissos von Karl Fulda einen Brief des Dichters an seine Frau,in dem von dem entsetzlichen Wetter die Rede ist, das ihn aus seiner Futzreisedurch den Harz begleitet habe. Und das Wanderlied, das er seiner Antonie vomFuße des Brockens übersendet, beginnt mit den Worten:Der Regen strömt!"Die Verse aber, die Chamisso seinen Kindern aus dem Harz geschickt, haben einemerkwürdige Aehnlichkeit im Ton und in der Stimmung mit den Gedichten Heinesin dessenHarzreise".

Als Chamisso ein Jahr später durch Göttingen reiste, suchte er Heine auf, unddieser berichtet wiederum ein halbes Jahr später darüber an Varnhagen vonEnse in derselben scherzhasten Weise wie das erste Mal:Grüßen Sie mir auchChamisso. Als er durch Göttingen reiste, haben wir uns beide durch gleicheSchlemihlität nicht ausfinden können- ich hörte nur im Gasthos, daß er in einemeinspännigen Fuhrwerk nach Klausthal gereist sei. Und doch ist er dort zuFuß angekommen".

In den folgenden Jahren scheinen Chamisso und Heine auseinander gekommenzu sein. Es ist wahrscheinlich, daß der treuherzige Chamisso sich mit der Kampses-weise, die Heine in seinen Reisebildern gegen Platen und andere Freunde ein-schlug, nicht befreunden konnte. Gleichwohl war Heine einer der ersten, dieChamisso zur Teilnahme an seinemDeutschen Musenalmanach" im Jahre 1832aufforderte. Mitte Mai desselben Jahres schreibt Heine an Varnhagen:GrüßenSie mir Chamisso. Ich werde ihm nichts schicken, aber ihm schreiben". Es magnur an äußeren Gründen gelegen haben, daß Heine keinen Beitrag für denMusenalmanach lieferte; denn seiner Sympathie für den Menschen und seinerVerehrung für den Dichter Chamisso gab er auch in den folgenden Jahren beredtenAusdruck. In seiner AbhandlungDie romantische Schule" schreibt er drei Jahrespäter (1835):Von Adelbert von Chamisso darf ich hier eigentlich nicht reden;obgleich Zeitgenosse der romantischen Schule, an deren Bewegungen er teilnahm,hat doch das Herz dieses Mannes sich in der letzten Zeit so wunderbar verjüngt,daß er in ganz neue Tonarten überging, sich als einen der eigentümlichsten undbedeutendsten modernen Dichter geltend machte und weit mehr dem jungen als demalten Deutschland angehört. Aber in den Liedern seiner früheren Periode weht derselbeOdem, der uns aus den Uhlandschen Gedichten entgegenströmt; derselbe Klang, die-selbe Farbe, derselbe Dust, dieselbe Wehmut, dieselbe Thräne .. . Chamissos Thränensind vielleicht rührender, weil sie, gleich einem Quell, der aus dem Felsen springt, aus