^ Friederike Robert. Potsdam. 14?
Mit Sehnsucht blickt er wohl manches Mal nach dem schönen und bewegtenBerlin hinüber, wo es alle Tage etwas Neues giebt, während er nichts zu schreibenhat, ^ „außer, daß ich Sie liebe, denn ich lebe hier, wie Robinson auf seinerInsel — mein Stiefelputzer ist mein Freitag, die Hausmägde sind meine Lamasu.s, w Ich befinde mich in jeder Hinsicht schlecht. Bin ich krank? dumm? ver-liebt? Wer kann das unterscheiden! Leben Sie wohl und grüßen Sie mir die Welt!"
Nur wenn ihn die Sehnsucht überwältigte, fuhr er nach Berlin, um sich beiFrau Rahel Trost zu holen oder im Kreise von Freunden das eigene Leid zuvergessen. An einem solchen Tage entstand das Heine-Bild von Franz Kugler,dem geistvollen Kunsthistoriker, der sich auch als Zeichner damals mit Erfolg ver-suchte. Ja, ohne Zweifel, so hat Heine nicht nur am 6. April, sondern auch alldie folgenden Tage und Wochen ausgesehen.
Im wunderschönen Monat Mai geht es schon etwas besser; das Wetter istmild und etwas freundlicher geworden, und der junge Dichter ist in der Lage,seiner schönen Freundin erzählen zu können: „Ein ganz einsamer Robinson binich hier nicht mehr. Einige Offiziere sind bei mir gelandet, Menschenfresser.Gestern Abend, im Neuen Garten, geriet ich sogar in eine Damengesellschaft undsaß zwischen einigen dicken Potsdamerinnen, wie Apollo unter den Kühen desAdmet. Vorgestern war ich in Sanssouci, wo alles grünt und blühet, aber wie!Du heiliger Gott! Das ist alles nur ein gewärmter, grünangestrichener Winter,und auf der Terrasse stehen Fichtenstämmchen, die sich in Orangenbäume maskierthaben Ich armes Ungeheuer, ich armer, verwunschener Prinz bin so kummer-weich gestimmt, daß ich sterben möchte, und ach! wer tot zu sein wünscht, der ist
es schon zur Hälfte Ich bin so niedergeschlagen, so zerdrückt, so beengt
ach, ich möchte ein Kätzchen sein!"
Freilich, wenn man den nächsten Brief Heines, an seinen Freund Aloses Mosergerichtet, liest, so wird man diese Niedergeschlagenheit und Beengnis bald begreifen.Dieser Brief fängt mit den lapidaren Worten an: „Wenn Du mir nicht gleichck0 Thaler schickst, so werde ich auf Deine Kosten hier verhungern!"
Auch sonst hatte der Dichter manchen Grund zum Kummer, selbst nachdem erdie 40 Thaler von Aloser erhalten. „Das Wetter ist hier so schlecht, daß ich aufdie Hoffnung, Dich morgen zu sehen, verzichten muß", schreibt er im folgendenBriefe. „Ich habe mich seit vorigem Sonntag äußerst schlecht befunden und wargezwungen, zu Arzt und Apotheke zu schicken, jetzt geht's leidlich besser. DieserTage hat mich auch mein Verleger Campe hier besucht — Seit meiner Bekannt-schaft mit den beiden Cousinen ist meine Seele in Peking, Nanking und Totzong,ja an Orten, die meine Zunge nicht einmal aussprechen kann." Die Bekannt-schaft mit den beiden Cousinen ist aber nichts als die Bekanntschaft mit dem chine-
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