94 Psalter und Harfe.
Zeit in Göttingen und scheint Mitglied der „Tafelrunde" gewesen zu sein. Anihn ist das in meiner Briefausgabe (Band 8, Seite 343) enthaltene Billetfolgenden Inhalts gerichtet!
„An den Ltucl. juris A. Meyer.
Zweitens muß ich dir sagen, daß Wimmer mich gebeten hat, schon diesen Abend zu lesen.Ich bin's zufrieden. Kann Er auch kommen? Ich bitte Ew. Wohlgeboren, mir das zu sagen,sowie auch die Stunde zu bestimmen. Du kannst Schlegels „Charakteristiken" mitbringen. HatEr mich verstanden? Ich bleibe Ew. Wohlgeboren herzlich liebender
H. Heine,königl. hannov. Consil.
Göttingen, den 1. Febr. 1821."
Dieses Billet eröffnet uns einen Einblick in den Göttinger Freundeskreis, dersich mit gemeinsamer Lektüre anregend zu beschästigen wußte. Der in dem Billetgenannte „Wimmer" war ein Kommilitone Heines, H. Straube, dessen „Jahrbuchfür Freunde altdeutscher Kunst" Heine die wertvollsten Anregungen zu seinenersten Gedichten gegeben und an den er eines seiner Freskosonette gerichtet hat.Der witzige Titel, den sich Heine in diesem Billet beigelegt, hat folgendeBegründung! (Kusiliarius war im Hannoverschen früher der Titel für Rechts-anwaltes hier- ist es eine Anspielung auf das Loirsilwin uböuuäi, mit welchemHeine am 23. Januar wegen eines beabsichtigten Pistolenduells mit dem StudentenWilhelm Wiedel aus Eutin belegt worden war.
Bald nach dieser Verweisung verließ Heine Göttingen. In seiner „Harzreise"hat er dem dortigen Universitätsleben eine köstliche Schilderung angedeihen lassen.Die Universität zu Göttingen hatte ihre Blütezeit bereits lange überschritten, alsHeine dort studierte. Unerschütterlich fest, gleich den Pyramiden Aegyptens, saßendie alten Professoren auf ihren Kathedern, er aber hörte schon das Rauschen einesneuen Frühlings, und in seinen Liedern hatte er schon die Morgenröte einer neuenZeit zu verkünden angefangen, die er über Deutschland heraufziehen sah. Gleich-wohl werden wir nicht vergessen dürfen, daß wir es dort mit der satirischenSchilderung eines jugendlichen Stürmers zu thun haben. Gerade der Umstand,daß Heine nicht nur damals, sondern auch später und bis an sein Lebensendeimmer und immer auf Göttingen zurückkommt, beweist doch wohl zur Genüge, daßsein Aufenthalt in der alten Universitätsstadt tiefere Spuren in seinem Herzenzurückgelassen und vielleicht auch auf seinen ganzen Lebensgang eine größere Ein-wirkung gehabt hat, als er es selbst glauben oder sich zugestehen mochte.