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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
92
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92 Psalter und Harfe.

auch nicht zu wehe thun, er ist bei all seinem leichtfertigen, boshaften und über-mütigen Witze in den letzten Gründen ein sehr tieffühlender, weicher Mensch, denman durch ernste Vorwürfe leicht bis zu Thränen rührt".

Dieses Urteil ist ein vernünftiges und, wie es scheint, wahres; denn auchEduard Wedekind berichtet in seinen Tagebuchauszeichnungen aus Göttingen überHeiner „Er hat eine unglaubliche Lust, jeden zu mystifizieren, und spielt daherjedem das Widerpart.... ein wahrer Freund kann er mir nie werden; ich geheaber doch recht gerne mit ihm um. Unsere Ansichten sind meistenteils sehr ver-schieden, und das giebt viel zu sprechen; nur weisz ich manchmal nicht recht, obich das, was er sagt, für seine eigentliche Meinung zu nehmen habe, oder ob ermich mystifizieren will. Merke ich das, so sage ich es gerade heraus und brechedas Gespräch gleich ab. Er thut es indes selten bei mir".

Desto mehr aber bei anderen, und am meisten bei dem armen Adolph Peters.Eine seltsame Mitteilung, die Peters selbst in einem Briefe an Spitta macht, beruhtganz entschieden aus einer solchen Mystifikation, die der arme Junge gar nichtmerkte. „Ich legte ihm" — schreibt Peters einmal an Spitta „einst meineAnsicht über das Strebeziel des wahren Künstlers dar, er aber geriet in eine ArtWahnbegeisterung. Wir standen zufällig mitten im Zimmer. Da trat er vormich hin und rief in einem fürchterlichen Tone: »Ruhm!« — als ob er ihn vonmir fordere. Ich stand wie erschrocken, hinten übergebogen, er mit aufgehobenerHand vor mir."

Auch über Heines Harzreise und seinen Besuch bei Goethe berichtet Peters,daß jener „bei der Rückkehr nach Göttingen den ihn einholenden Kommilitonengegenüber ganz unverhohlen seinem Verdruß darüber freien Lauf ließ, daßSe. Exzellenz ihn eigentlich nur ungebührlich kalt empfangen habe".

Das Ergötzlichste aber aus dem Zusammenleben Heines mit Peters berichtetMaximilian Heine in seinen Erinnerungen, ohne den Namen des damals nochlebenden Peters zu nennen. Wenn Hetne sich amüsieren wollte oder nicht schlafenkonnte, so öffnete er sein Fenster und rief mit lauter Stimme über die ganzeStraße: „Adolph!", lud ihn zu sich ein und bat ihn, seine Gedichte mitzubringen.Unmittelbar darauf erschien Adolph Peters mit großen Heften unter dem Armeund begann seine Vorlesung. Nach jedem Gedichte sagte Heine: „Weißt du,Adolph, das ist dein Bestes". So ging es mit allen Gedichten von Peters, nurbeim letzten Gedichte hieß es: „Adolph, das ist dein Allerbestes". Einst hatteHeine eine lustige Studentengesellschaft bei sich; die Rede kam auf empfindsamePoeten. „Wollt ihr ein kapitales Exemplar dieser Sorte sehen", sagte Heine, „sokann ich damit aufwarten." Heine rief über die Straße hin: „Adolph!", undAdolph erschien sofort mit der großen Gedichtmappe.