Heine und Spilta, 91
sah sich Spitta bewogen, die Bahn der weltlichen Dichtkunst zu verlassen, wie seinBiograph behauptet, aus Furcht, jenen Regungen der Seele zum Opfer zu fallen,welchen der Jugendgenosse Heine Zaum und Zügel schießen ließ. Spitta gingals Hauslehrer nach Lüne, wo er vier und ein halbes Jahr blieb, dann trat erEnde 1828 in das Pfarramt ein, dem er in Beschaulichkeit und Ueberzeugung,„ein einsamer Hirt im Walde" bis zu seinem Tode oblag. Seine Gedicht-sammlung „Psalter und Harfe" ist in protestantischen Kreisen zu hoher Be-liebtheit gelangt.
Heine hat er wohl nie wieder gesehen, aber er bewahrte ihm, wie allenUniversitätsfreunden, eine treue Erinnerung. Schon als er die Universität ver-lassen „und mit seinem Christentum vollen Ernst gemacht hatte", waren ihm mancheJugendgenossen entfremdet, so daß er einmal in herzlicher Wehmut schrieb! „Esscheint, als wolle sich die Zahl der lange gekannten Freunde immer mehr ver-ringern, je näher mir der lange verkannte himmlische Freund meiner Seele kommt."Sollte das nicht im Hinblick auf Heinrich Heine geschrieben sein?
Ganz anders als das Verhältnis zu Philipp Spitta waren die Beziehungendes Dichters zu einem anderen Jugendgenossen, zu dem bereits genannten AdolphPeters, der den Vermittler zwischen beiden spielte. Peters war ein Hamburger,also ein halber Landsmann von Heine, mit dem er sich, als er 1822 die UniversitätGöttingen bezog, schnell befreundete. Peters studierte in Göttingen Mathematik,war dann fast fünfzig Jahr lang Lehrer der Mathematik an einem Gymnasiumin Dresden und hierauf an der durch Lessing berühmt gewordenen Landesschulezu St. Afra in Meißen, wo er am 5. Juni 1876 gestorben ist. Er hat auchGedichte veröffentlicht! „Gesänge der Liebe" (1859), „Natur und Gottheit" (1859).Es ist lyrisches Mittelgut von sehr anständiger Empfindung, aber nur selten vonWirklicher poetischer Kraft.
Peters wohnte Heine gegenüber auf der Gronerstraße in Göttingen. Dort waralso der Schauplatz aller Mystifikationen und Foppereien, deren Opfer der ernste,liebenswürdige junge Mann war, in dem kein Arg und kein Tropfen Gallegewesen. Diesen Scherzen folgte regelmäßig eine sehr gemütvolle Aussöhnung, sodaß die „Tafelrunde" lang in inniger Harmonie zusammenblieb. Erst späterkam auch in dieses Verhältnis der große Riß.
In einem Briefe an Spitta schildert Peters Heine folgendermaßen! „Heinespielt Karten mit seinen tieferen Gefühlen- es ist Münze, die er ausgiebt, nichtsscheint ihm heilig genug zu sein, um es nicht dem Witze und seiner verhaßtenIronie zu opfern, und sein immer wiederkehrendes, gewöhnlich höhnisches Selbst-auslachen am Schlüsse verletzt mich. Ich schaudere, wenn dem Blitze, der dasHerz entzündet, sogleich ein kalter, löschender Schlag folgt. Aber man muß ihm