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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
53
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Erste Liebe. ZZ

Die Thatsache, daß Heine seine Cousine Amalie, die dritte Tochter

Salomon Heines, geliebt, steht heute wohl unzweifelhaft fest. Merkwürdigwar nur, daß er schon in dem ersten Brief an Sethe aus Hamburg vom6. Juli schreibt:

Freu' dich, freu' dich: in 4 Wochen sehe ich Molly.

Mit ihr lehrt auch meine Muse zurück.

Seit 2 Jahr Hab' ich sie nicht gesehen. Altes Herz, was freust du dich und schlägst so laut!"

Heine hatte also seine Cousine im Jahre 1814 kennen und lieben gelernt, undzwar, wie ich aus den in diesem Punkte wohl zuverlässigen handschristlichenMemoiren Maximilian Heines entnehme, im Sommer 1814, als Salomon mitseinen drei Töchtern und seinem Sohne Herrmann einen Besuch in Düsseldorfbei seinem Bruder machte.

In Hamburg loderte diese Liebe in hellen Flammen auf. Um chronologischalles genau festzustellen: Im August oder September des Jahres 1816 mußdie Entscheidung zu seinen Ungunsten gefallen sein, denn der erwähnte Brief vom27. Ottober beginnt mit dem Satze:Sie liebt mich nicht!" Und daran schließtsich die Schilderung der Höllenqualen, die er erlitten. Die innere Geschichte diesesLiebesverhältnisses ist nicht bekannt geworden. Aus demselben Brief entnehmenwir nur den Passus:Das ist auch eine herzkränkende Sache, daß sie meineschönen Lieder, die ich nur für sie gedichtet habe, so bitter und schnöde gedemütigtund mir überhaupt in dieser Hinsicht so häßlich mitgespielt hat". Aus späterenKonfessionen Heines können wir aber den Verlauf besser als durch zwecklose Nach-forschungen, die mehr der Neugierde als der Litteraturgeschichte dienen, feststellen.Fast mit biographischer Genauigkeit hat Heine später in dem bekannten Gedicht:Im Jahre Achtzehnhundertsiebzehn" seinen Liebesroman klar und umständlicherzählt. Gleichwohl konnte man sich noch immer nicht entschließen, daran zu glauben,daß der allgemein bekannte Vers:

Ein Jüngling liebt ein Mädchen,

Die hat einen andern erwählt;

Der andre liebt eine andre,

Und hat sich mit dieser vermählt

wörtlich die Geschichte seiner eigenen unglücklichen Liebe enthalte. Man bedenke dabeifolgendes: Amalie Heine war damals 16 Jahre alt, Harry Heine entweder 17 oder19 Jahre,- er war Volontär im Geschäfte seines Oheims und wußte sich selbstnicht einmal in dieser Stellung zu behaupten, noch weniger jemandem nach irgendeiner Richtung hin Achtung für sein Thun einzuflößen. Gleichwohl behandelte sieihn sehr freundlich,- im Grunde ihres Herzens aber liebte sie wirklich einen anderen.Dieser andere liebte aber ein anderes Mädchen und vermählte sich mit ihr gerade