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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
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32 Lehr- und Wanderjahre.

der Jugendzeit eines Dichters bekannt geworden sind. Diestammelnde Leiden-schaft" des jungen werdenden Poeten macht sich in sehr merkwürdigen Bildernund Ausrufen, in eigentümlichen Citaten aus deutschen und französischen Klassikerngeltend. Ferner ist es der einzige Brief, in dem Heine sich ganz ohne Vorhaltüber seine erste Liebe ausspricht.Das Unbehagen in dem aufgedrängten Berufe,der eigentümliche Gegensatz zu dem reichen Oheim, die Abneigung gegen denKrämersinn in der Kaufmannsstadt, das drückende Gefühl der jüdischen Erniedrigung,kurz der ganze Heine zum Teil schon in den ihm eigenen Wendungen tritt darinhervor." Merkwürdig ist auch die Hindeutung auf einen möglichen Religions-wechsel und der Spott über dieungeheuren Handelsspekulationen".

Im Bankgeschäft des Oheims hat Heine, das steht nun einmal fest, nicht vielgeleistet. Statt Briefe zu schreiben oder aus dem Hauptbuche zu kopieren, soerzählt die Fürstin della Rocca, dichtete er, und wenn einmal der Onkel dieBücher sehen wollte, fielen beschriebene Papierschnitzel heraus, die gerade nicht dazudienten, die gute Laune Salomon Heines zu erheben. Das versöhnende Prinzipwar Betty Heine, geborene Goldschmidt, die Gattin Salomons, der der Dichterbis zu ihrem Tode und darüber hinaus ein treues, pietätvolles Andenken bewahrthat. So oft Salomon sich mit Harry Heine entzweite, wußte sie die Sache wiederdurch ihre Güte und Milde auszugleichen, und es scheint, daß sie sehr oft in dieLage kam, dieses Mittleramt, welches den Frauen ja besonders gut steht, auszuüben.

Heine war damals ein lockerer Gesell. Er selbst erzählt in jenem oben erwähntenBriefe zwar, daß er in Hamburg ganz isoliert lebe, aber das bezieht sich wohl nuraus die erste Zeit seines dortigen Aufenthaltes, denn unmittelbar darauf bemerkteer, daßder Neffe vom großen Heine" überall gern gesehen und empfangenwerde, und daß schöne Mädchen nach ihm schielten. Diefurchtbaren Handels-anstalten", die er nach seiner Versicherung an Christian Sethe machte, werden aberdoch wohl der Hauptgrund für dieses Schielen gewesen sein.

Die Schilderungen, die Heine von der schönen Elbestadt in Prosa undVersen später entworfen hat, beziehen sich fast sämtlich auf seinen ersten Aufenthaltdaselbst. Eine tiefe Abneigung gegen den Kaufmannsstand, die er schon früherempfunden, steigerte sich noch unter den widerwärtigen Eindrücken, die jetzt aufihn einstürmten; alles hatte sich vereinigt, um ihn in die schmerzlichste und gedrücktesteStimmung zu versetzen, und doch ist dieser Aufenthalt Heines in Hamburg vonaußerordentlicher Bedeutung für seine Zukunft gewesen.

Zwei wichtige Momente müssen dabei besonders hervorgehoben werden: 1. indiesen Abschnitt fällt die erste Liebe Heines, welche von so tiefgreifendemEinfluß auf sein Leben und Schaffen gewesen; 2. in dieser Lebensperiode ist Heinezuerst als Dichter aufgetreten!