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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
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54 Lehr- und Wanderjahre.

zu jener Zeit. Als er bei Salomon Heine mit seiner jungen Gattin die ersteVisite machte, sagte der joviale Bankier in der ihm eigenen gutmütigen Derbheitzu der jungen Dame:Er habe von ihrem Gatten eigentlich einen Heiratsantragfür seine eigene Tochter erwartet!" Die Hoffnungen Heines aber waren hiermitzerstört, und es ist nur eine poetische Fiktion, wenn er in einem anderen Gedichtandeutet, das; er sich noch drei Jahre später Hoffnungen gemacht hätte. Allerdingsmag ihn die Nachricht von der inzwischen erfolgten Vermählung der trotzdemnoch immer Heißgeliebten, die am 13. August 1821 dem Gutsbesitzer John Fried-länder aus Königsberg i. Pr. die Hand reichte, von neuem tief erschüttert haben.Man kann also doch nur von einer getäuschten, aber nimmer von einer verratenenJugendliebe des Dichters sprechen, die ihre bittere Nachwirkung aus seine späteredichterische Entwickelung ausgeübt habe.

Ich habe bereits an anderer Stelle darauf hingewiesen, daß zwei Gedichte imRomanzero", die sich hierauf beziehen, nach ihrer tieferen Bedeutung noch nichtgewürdigt seien. Das eine nennt sichBöses Geträume" und befindet sich in denLazarus-Liedern", das andere führt den TitelAffrontenburg" und gehört zudenLetzten Gedichten". In beiden faßt Heine all die schmerzvollen Erinnerungenan jene Zeit seines ersten Aufenthalts in Hamburg in einemmartervollen Bilde"zusammen. Ja, er schildert darin mit größter Genauigkeit das Terrain, auf demsich sein Liebesroman und seine kaufmännischen Lehrjahre abgespielt haben: einLandhaus, hoch am Bergesrand, von wo er mit seinem Mühmchen wettlaufenddie Pfade hinunter zum Wasser jagte. Im Garten steht ein sphin.rgezierter Marmor-brunnen, und am Ende der langen Allee erhebt sich eine Terrasse, an derdieWellen der Nordsee zur Zeit der Flut tief unten am Gestein zerschellen". Inbeiden Gedichten schildert er das Landhaus bei Rainville, das seinem Oheimdamals gehörte, an einer der lieblichen Höhen an der Elbe, nahe bei Ottensen,wo eine alte Linde das Grab beschattet, welches Klopstock und seine Geliebte ver-einigt, jenes Grab, auf dem Heine damals den Schmerz um seine erste Liebe aus-geweint hat. Es ist dies dieselbe Villa, welche die spätere Besitzerin, die nunmehrauch verstorbene Frau Cäcilie Heine-Furtado, die Witwe Karl Heines, als diePreußen im September 1870 siegreich vor Paris standen, zu einer wüsten Einödezerstören ließ, damit sie kein deutscher Fuß mehr betreten solle.

Von dem zerstörten Affrontenburg kehren wir nach dem schönen Hamburgwieder. Ich habe bereits erwähnt, daß Heine in Hamburg zum Dichter geworden.Die unglückliche Liebe hatte solches bewirkt. Schon in dem Brief an Sethe sprichter die Absicht aus, seine Gedichte bald in Druck zu geben.Aber das ist dieSchwerenotssache. Da es dazu lauter Minnelieder sind, würde es mir als Kauf-mann ungeheuer schädlich seyn,- ich kann dir dies nicht so genau erklären, denn du