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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
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4 ^»Zv, Der Ahnensaal.

und allgemach die Scheidungswände niedergerissen, die sonst das Ghetto gegenLicht und Luft der Umgebung absperrten. Man kommunizierte mit der Gesellschaftund hob sich naturgemäß auch im Geistigen auf ihr Niveau!"

Von den vier Söhnen Juspas rvar Lazarus der zweite und wohl auch derbedeutendste. Er erlebte mit seinem Vater die Wandelbarkeit des Familienglücks.Durch den Tod des Kurfürsten Johann Wilhelm hatte die herrliche EntfaltungDüsseldorfs ihr Ende erreicht. Ein neues System kam zur Geltung, und wie eineschwere Anklage schwebte die Schuldenlast des erschöpften Landes über allen, diedem früheren Regime nahegestanden oder gar angehört hatten.Was alle traf,mußte einen Juden vollends vernichten; die Umwertung der übrigen bedeutete fürihn völligen Sturz." Juspa van Geldern wurde wegen Proviantlieferungen, dieJahrzehnte vorher erfolgt waren, zur Rechenschaft gezogen. Aber er wußte sichin einer Schrift, die er den Ständen vorlegte, so gut zu verteidigen, daß man vonjedem weiteren Vorgehen gegen ihn absehen mußte. In seinem 74. Lebensjahrestarb Juspa van Geldern im Jahre 1727, acht Jahre später seine gleich aus-gezeichnete Gattin Bräunle oder, wie Heine seine Eroßmuhme nannte, Brunhildis.Das Gedächtnis beider wird noch heute zu Düsseldorf und Mannheim (in letztererStadt starb das Ehepaar) in Ehren gefeiert.

Unmittelbar darauf ernannte Karl Philipp den Sohn Juspas, Lazarus vanGeldern, zum Jülich- und Bergischen Hoffaktor. Auch das Ehrenamt des Ober-vorgängers der dortigen Judenschaft wurde ihm bald übertragen. Aber alle dieseEhrenämter gewährten ihm nicht einmal die Gunst, nach Köln reisen zu dürfen.Einmal versuchte er, unter Vorlegung eines kaiserlichen Paßbriefes freies Geleitfür Köln zu erlangen, aber der dortige Rat wagte es trotzdem abzulehnen. Ererhielt niemals die Erlaubnis für länger als drei Tage. Unter solchen Verhält-nissen ward das Lieferungsgeschäft bei der Armee immer mehr erschwert, da derUebergang von einem auf das andere Gebiet in Deutschland mit allen möglichenQuälereien verbunden war. Eine große Teuerung kam dazu, um den finanziellenRuin zu beschleunigen. Es ist rührend zu lesen, wie die treffliche Gattindes Lazarus van Geldern zuletzt noch in einer Audienz bei Karl Philipp durcheine heroische Anstrengung den Zusammenbruch des Geschäfts hintanzuhaltenversucht. Umsonst.

Aber das Schicksal, das sie getroffen, vermochte nicht die geistige Höhe desHauses zu erschüttern. Früh schon war es im Ghetto von Düsseldorf Tag geworden.Die Söhne und Töchter der Familie Geldern erhielten bereits eine gründliche Ein-führung in das allgemeine Wissen und in die Kultur ihrer Zeit. Heine hat selbstes aus dem Munde seiner Mutter aufgezeichnet, was seine Urgroßmutter gethan,als ihr zweiter Sohn Gottschalk van Geldern, um Medizin zu studieren, die Hoch-