Juspa van Geldern. »!>!»>< 3
Dort stand sein Vater Joseph oder, ivie man ihn in der „Gasse" damals nannte,Juspa van Geldern, in hohem Ansehen. Er erfreute sich nicht nur bei seinenGlaubensgenossen, sondern, was damals gewiß noch sehr selten war, auch imöffentlichen Leben hoher Anerkennung. Einer seiner Ahnen war wahrscheinlichentweder aus dem holländischen Geldern nach Deutschland oder, was noch wahr-scheinlicher, aus der benachbarten Stadt Geldern in Düsseldorf eingewandert und hatdadurch den Nachkommen den Namen Geldern oder „van", d. h. aus Geldern, hinter-lassen. Sein Vater Jakob van Geldern ließ Juspa eine gelehrte Erziehung angedeihen.Er gab ihm dann zur Gattin die Tochter des angesehensten Mannes aus derJudengasse zu Düsseldorf, dessen Stammbaum ins 16. Jahrhundert bis zu dem„Landvorsteher der hessischen Judenschaft" Samuel Stuckert in Witzenhausenhinaufreicht. Als Juspa van Geldern in dieses an Erinnerungen und Ueber-lieferungen reiche Haus eintrat, war für die Stadt Düsseldorf eine Zeit glänzendenAufschwungs angebrochen. Es gelang Juspa van Geldern durch seine Tüchtigkeit,vom Kurfürsten Johann Wilhelm, der die Stadt zu seiner bleibenden Residenzerkoren hatte, zum Hoffaktor oder Kammeragenten ernannt zu werden. Dieswar aber kein bloßer Ehrentitel, sondern eine harte und schwere Arbeit füreinen Juden in jenen Tagen.
In diesem Amte hatte Juspa auch reichliche Gelegenheit, sein Ansehen und seinenEinfluß zum Schutz der bedrängten Glaubensgenossen einzusetzen. Zum Dankdafür ward er von diesen zum Vorsteher oder, wie man damals sagte, zumOber-Vorgänger der gesamten vergleiteten, d. h. auf Grund eines Schutz-und Geleitbriefes gegen hohe Abgaben im Lande wohnungsberechtigten Juden-schaft gewählt und als solcher der Regierung gegenüber für deren Polizeiordnungund Steuereingänge haftend und verantwortlich.
Die Errichtung einer Bank in Düsseldorf im Jahre 1705, die allerdings aufschlechter nationalökonomischer Grundlage basierte, gab ihm Gelegenheit, dem Kur-fürsten seine Dienstwilligkeit zu bezeigen. Johann Wilhelm aber gab Juspa einenaußerordentlichen Beweis seiner Huld, indem er ihm nicht nur den Grund zurErbauung eines Hauses und einer Synagoge, sondern auch völlige Steuer- undAbgabenfreiheit für dreißig Jahre und kräftigen Schutz gegen jede Beschwerde beiallen Behörden zu teil werden ließ. Wir kennen jetzt sogar auch das Milieudes Hauses, in dem Heines Ahnherr waltete. Dies ist aber für uns gerade nachder Vererbungstheorie besonders interessant. „Die gesellschaftliche Stellung desVaters, seine angesehenen Verbindungen, seine Beziehungen zum Hof, die lebens-warme Nähe zu den öffentlichen Angelegenheiten und den Vorgängen der Politik,die Erfordernisse und Bedingungen des höheren Verkehrs hatten den Gesichtskreisder Familie erweitert, ihr Bildungsideal gehoben, ihre Umgangsformen geadelt