890 Heine und Consorten.
Einige Urtheile Dührings über Heine (Dühring: „Juden-frage." 2. Auflage. 1881. S. 54 u. ff.):
„Man braucht nur die Namen Heine und Börne zu nennenund nian hat das verhältnißmäßig Beste, oder vorsichtiger aus-gedrückt, das am wenigsten Schlechte beisammen, was in der deut-schen Literatur im 19. Jahrhundert bisher im Vordergrunde ge-standen, und auf die freiheitlich sein wollenden Elemente den meistenEinfluß ausgeübt hat. Beide Schriftsteller waren zuerst auch Re-ligionsjuden, beide ließen sich taufen, Börne ganz heimlich,und bei beiden ist der Zweck dieses Religionstausches bekannt: ergalt der Beförderung. Heine gedachte so eine Professur zu er-langen, beide hatten sich aber verrechnet und umsonst bemüht.Auch mögen solche Vorkommnisse immerhin als Nebensache gelten,sie werfen aber ein um so grelleres Licht auf die Zähigkeit, niitder das augestammte Judeuwesen von beiden Schriftstellern fest-gehalten und namentlich gegen Ende ihrer literarischen Laufbahnauch religiös hervorgekehrt wurde."
„Heine ist dem Talent nach bedeutender, als Börne. DerLetztere ist aber doch von einigem gesetzten Ernst, während derElftere nicht umhin kann, seine abrupte Possenreißern in Alleshineinzumischen. Selbst in dem bischen Lyrik, über welches erverfügt, schlägt er in demselben Athem mit der Stimmung wieeine Pnrzeltaube um. Aus dem Hochseinsollendcn in das Nie-drigste, das ist seine gewöhnliche Art, auf der Leiter der Gefühlezu stolpern oder absichtlich Hanswurstgesten auszuführen. ImOrdinären und Angeschmutzten ist er am meisten heimisch, allesAndere ist ihm eine fremde Weit, in die er sich nur mit Mühehinausschraubt. Wo er erhaben sein will, hält er es nicht ans undfällt unwillkürlich ins Komische, und zwar meist in die gemeinsteSorte desselben. Ein paar Gedichtchen ausgenommen, ist auch inseinem ganzen „Buch der Lieder", also in der ganzen Grundlageseines Dichterrufs, nichts, was ohne unangenehme Einmischunganmuthete, oder nicht als Zerrbild der Lyrik gelten müßte." ^„Auch der sogenannte Weltschmerz Heines ist eine Copie." — „Heinehielt nicht die Fahne der Götter einer neuen Epoche in der Hand,um deren willen er sich rühmte, den religionsrückständigen Börnebekämpfen zu müssen. Heines Fahne war vielmehr zerfallenderZunder gewesen; sie war aus allerlei Plunder zusammengestücktgewesen, den sich der jüdische Autor aus den verschiedensten Be-hausungen anderer, theils todter, theils lebender Völker einge-sammelt hatte. Mit diesen bunten Abfüllen hatte er paradirt, abernie und nirgend hatte er etwas Ganzes und Unabgerissenes sichauch nur anzueignen vermocht. Von der gediegenen und anstän-digen Kleidung anderer Völker erhielt er kein Stück, nur das Ab-getragene und die Fetzen fielen seiner jüdischen Muse auheim."
In dieser Weise charakterisirt wohl sehr weitläufig Dr. Dühringdie beiden Größen, Börne und Heine. Der Journalistenchor