336 Hcinc und Consorten.
Strodtmann ( I. 533):
„Goethe hotte über Heines Reisebilder sehr ungünstige Acuße-rungen fallen lassen. Heine erfuhr es und schrieb: „Daß ich demAristokratenknecht Goethe mißfalle, ist natürlich; sein Tadel istehrend, seitdem er alles Schwächliche lobt. Er fürchtet die an-wachsenden Titanen.* Er ist jetzt ein schwacher, abgelebter Gott,den es verdrießt, daß er nichts mehr erschaffen kann. Raumerkann bezeugen, daß ich ihn schon vor drei Jahren nicht mehr ge-liebt und jetzt nicht durch Deinen letzten Brief bestochen wordenbin." Unter selbem Datum schrieb Heine an Varnhagen: „Ichwerde es mit den Aristokraten noch mehr verderben. WolfgangGoethe mag immerhin das Volkerrecht der Geister verletzen, erkann doch nicht verhindern, daß sein großer Name einst gar oftzusammen genannt wird mit dem Namen H. Heine."
Heine war ebenso wie Börne anfangs, als Menzel überGoethe losging, sehr damit einverstanden.
Heine hatte es auch in Bayern auf eine fixe Anstellungabgesehen. Der Minister Schenk verwendete sich für ihn beimKönig Ludwig auf Ansinnen des Michael Beer. Ehe Heinenach München ging, war er bei Börne.
„Hüten Sie sich, mit den Pfaffen zu collidiren," waren dieletzten Worte, welche Börne dem Dichter der „Reisebilder" beimAbschiede von Frankfurt ins Ohr flüsterte." „Er kürzte seinen Auf-enthalt so viel wie möglich ab und machte nur, wie er Börneversprochen, Wolfgang Menzels Bekanntschaft, ohneGustav Schwab oder irgend ein anderes in Stuttgart lebendesMitglied der schwäbischen Dichterschule aufzusuchen."
So Strodtmann (I. Bd., S. 539).
Dem Herausgeber dieses erzählte Menzel, dem Ehren-haftigkeit und Glaubwürdigkeit auch seine Feinde nicht absprechenkönnen, ganz anders. Heine brauchte nicht erst die Bekannt-schaft Menzels zu machen, denn Menzel und Heine kanntensich von der Universitätszeit her als Collegen. Menzel schil-derte mir den Heine sehr drastisch (so wie ihn nachher Jo-hannes Scherr schilderte und mit gleichen Bezeichnungen).
Heine suchte sich bei Menzel zu insinuiren, er fürchtete dieKritik Menzels und wollte ihn zu einem günstigen Urtheilüber seine Schriften stimmen. Daß Menzel den Heine seinemCharakter nach nicht unter die Primasorte edler Judenrangirte, ist bekannt. In ähnlicher Weise, aber mir drastischer,
* Den Obertitan Heine natürlich am meisten.