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Zwei Buschmänner
(Börne und Heine)
Entstehung
Seite
268
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268 Heine und Consorten,

ich lasse mir daraus vorlesen. Es ist doch ein wunderbares Buch,dies Buch der Bücher- Wenn ich meine Schmerzen nicht mehrertragen kann, nehme ich Morphium, wenn ich meine Feinde nichtmehr todtschlagen kann, überlasse ich sie der Vorsehung, wenn ichmeine Angelegenheiten nicht mehr besorgen kann, übergebe ich siedem lieben Gott, — nur", setzte er nach einer kleinen Pause lä-chelnd hinzu, „nur meine Geldangelegenheiten besorge ich dochlieber selbst," - Mit den bestimmtesten Worten versicherte Heinein einem Briefe an H, Lassalle in Breslau, den Vater des be-kannten Agitators, bereits Ende April desselben Jahres, daß er,aller atheistischen Philosophie satt, wieder zum dcmüthigen Gottes-glanben des gemeinen Mannes zurückgekehrt, und in einemSchreiben an Eampe vom 1, Juni 18-56 kündigte er sich seinemVerleger gar als Censor seiner künftigen Werke an, der aus denSchnabelewvpsky-Memoiren und anderen Schriften die Stellenentfernen möchte, „welche von einer so krassen Religionsspöttereibefleckt seien, daß er aufrichtige Reue darüber empfinde". „Ichbin kein Frömmler geworden, aber ich will doch nicht mit demlieben Gott spielen! wie gegen die Menschen will ich auch gegenGott ehrlich verfahren und Alles, was aus der früheren blas-phematorischen Periode noch vorhanden war, die schönsten Gift-btnmen habe ich mit entschlossener Hand ausgerissen und bei meinerphysischen Blindheit vielleicht zugleich manches unschuldige Nachbar-gewächs in den Kamin geworfen. Wenn das in den Flammenknisterte, war mir, ich gestehe es, gar wunderlich zu Mnthe; ichwußte nicht recht mehr, ob ich ein Heros oder ein Wahnsinnigersei, und neben mir hörte ich die ironisch tröstende Stimme irgendeines Mephistopheles, welcher mir zuflüsterte: Der liebe Gott wirddir das Alles weit besser honvrircn, als Campe, und du brauchstjetzt nicht mit dem Druck dich abzuquälen oder noch gar um denDruck mit Campe zu handeln, wie um ein Paar alte Hosen," ^

„Glauben Sic (an Campe) nicht den einlaufenden Gerüchten,als sei ich ein frommes Lämmlein geworden. Die religiöse Um-wälzung, die sich in mir ereignete, ist eine bloß geistige/mehr einAkt meines Denkens, als des seligen Empfindens, und das Kranken-bett hat durchaus wenig Antheil daran, wie ich mir fest bewußtbin,5* Es sind große, erhabene, schauerliche Gedankenüber mich gekommen, aber es waren Gedanken, Blitze des Lichtes,und nicht die Phosphordünste der Glaubenspisse," —

* Wir sehen hier, wie der Dichter mitten unter seinen religiösen Er-örterungen auf einmal in die Neminiscenzen aus der muffigen,jüdischen Trödelbude hineinfällt.

** Früher sagte Heine, daß seine Krankheit einen wesentlichen An-theil an seiner Bekehrung habe, — Doch wer wird sich die Mühe nehmen,die zahllosen Widersprüche des nur nach schimmernden Seifenblasenhaschenden Heine zusammenzustellen? Er war alle Tage anders, nurim Hasse gegen das Christcnthum war er talmudisch conscqnent.