Heine und Consorten, 265
Die Witze über seine eigene Bekehrung sind wahrhaftpathologisch der letzte Rest von Spott und Hohn, ausder zusammengeschnürten Kehle hervvrgepreßt, von blassen,bebenden Lippen der Umgebung mitgetheilt und von andächtigenZuhörern und ZuHörerinnen der Lesewelt zur weiteren Er-bauung publicirt. Diese fieberhaften Eruptionen verrathen eineeigenthümliche Niedergeschlagenheit des todtkranken Menschen;sein Hochmuth ist in den Staub geworfen, er möchte Gott an-erkennen, und doch hebt sich noch wie bei einer niedergetretenenSchlange das Haupt züngelnd empor und kann von der altenGewohnheit nicht lassen.
Strodtmann (II. 376):
„Im März 1346 sagte er zu Fanny Lewald: „Die heidnischenGötter hätten einem Dichter nicht angethan, was mir geschieht,so etwas thut bloß unser alter Jehova. Selbst dieLippen, mit denen ich so vergnügt gesungen und ge-küßt, sind mir gelähmt. Ich halte jetzt, da ich stündlich anmeinen Tod denken muß, oft sehr ernste Gespräche mit Jehovain der Nacht, und er hat mir gesagt: Sie dürfen Alles sein, lieberDoctor, was Sie wollen, Republikaner und Socialist, nur keinAtheist." Aehnlich heißt es in einem Briefe an Canipe voni21. August 1851: „Mein Gesundheitszustand oder vielmehr meineKrankheitslage ist noch immer dieselbe. Ich leide außerordentlichviel, ich erdulde wahrhaft prometheische Schmerzen durch Rau-cune der Götter, die mir grollen, weil ich den Menscheneinige Nachtlämpchen, einige Pfennigslichtchen mitgetheilt. Ichsage: die Götter, weil ich mich über den lieben Gott nicht äußernwill. Ich kenne jetzt seine Geier und habe Respekt vor ihnen."Zu Alfred Meißner sagte er im Januar 1849: „In der That,es ist seit einiger Zeit eine religiöse Reaktion bei mir eingetreten.Weiß Gott, ob das mit dem Morphium, ob mit den Kataplasmenzusammenhängt — es ist so. Ich glaube wieder au den persön-lichen Gott; dahin kommt man, wenn man krank ist, todtkrank undgebrochen! Machen Sie mir kein Verbrechen daraus.Acceptirt doch das deutsche Volk in seiner Roth den König vonPreußen, warum soll ich nicht den persönlichen Gott acceptiren?Mein Freund, hören Sie die eine große Wahrheit: Wo dieGesundheit aufhört, wo das Geld aufhört, wo der gesundeMenschenverstand aufhört, dort überall fängt das Christen-thum an."
Er hat schon Recht gehabt, der Rabbi Grätz, als er denHeine für das talmudische Judenthum reclamirte; den glühendenHaß und den giftigen Spott gegen das Christenthum hat erals ein theures Erbe talmudischer Rechtgläubigkeit durch alle