Druckschrift 
Zwei Buschmänner
(Börne und Heine)
Entstehung
Seite
237
Einzelbild herunterladen
 

Heine und Consorten, 237

aufschreiben und denke ich dann zufällig an bum, bum, bum, andie katholische Glock; oder schwebelt es mir vor den Augen wiekatholischer Weihrauch, und ich verschreib mich und ich schreibeine unrechte Zahl, so kann das größte Unglück daraus entstehen.Ich habe oft zu Herrn Gumpel gesagt: Euer Excellenz sind einreicher Mann, und können katholisch sein, so viel Sie wollen, undkönnen sich den Verstand ganz katholisch einränchern lassen, undkönnen so dumm werden wie eine katholische Glock, und Sie habendoch zu essen; ich aber bin ein Geschäftsmann, und muß meinesieben Sinne zusammenhalten, um was zu verdienen, Herr Gumpelmeint freilich, es sei nöthig für die Bildung, und wenn ich nichtkatholisch würde, verstände ich nicht die Bilder, die zur Bildunggehören, nicht den Johann von Viehesel*, den Corretschio undCarratschio und Carravatschio - aber ich habe immer gedacht,der Corretschio und Carratschio und Carravatschio können mir allenichts helfen, wenn Niemand bei mir spielt, und ich komme dannin die Patschio, Dabei muß ich Ihnen auch gestehen, daß mirdie katholische Religion nicht einmal Vergnügen macht, und alsvernünftiger Mann müssen Sic mir Recht geben. Ich sehe dasPläsir nicht ein, es ist eine Religion, als wenn der liebe Gott,Gott bewahre, eben gestorben wäre und es riecht dabei nachWeihrauch wie bei einem Leichenbegängnisse, und dabei brummteine so traurige Begräbnißmusik, daß man die Melancholik be-kommt ich sage Ihnen, es ist keine Religion für einen Ham-burger."

Aber, Herr Hyacinth, wie gefällt Ihnen denn die protestan-tische Religion?"

Die ist mir wieder zu vernünftig, Herr Doktor, und gebe esin der protestantischen Kirche keine Orgel, so wäre sie gar keineReligion, Unter uns gesagt, diese Religion schadet nichts und istso rein wie ein Glas Wasser, aber sie hilft auch nichts. Ich habesie prvbirt, und diese Probe kostet mir 4 Mark l4 Schilling,"**

Wieso, mein lieber Herr Hyacinth?"

* Eine Gewalt von einem Witz, dem Johann von Fiesole an-gethan! So könnte Heine für sich auch das Psalmenwort angewendethaben:Werdet nicht wie die Viehesel und Maulthiere, diekeinen Verstand haben," Der Maler Fra Giovanni Fiesole, demes gelungen, die edelsten Gestalten und Gesichtszüge verklärter Seelen zuschassen, der als Maler (nach Zevianis Worts einer der edelsten Dichtergewesen, dieser Maler mußce dem sittlich heruntergekommenen Liedersängerein Vorwurf und ein Dorn im Auge sein.

** Das erinnert an den großen Börne, der seine Reue und sein tief-innerstes Bedauern, seine aus dem Herzen aufquellende Wehklage über diedrei Lonisd'or offen ausgesprochen, die er dem Pfarrer für seine Taufeverehrt. Diese jüdischen Gentlemen haben so eigentlich den Sinn für das,was ekelhaft ist, total verloren.